2. Bühler Bluegrass Summit 2010
Blackjack spielt im Schüttekeller

Das Konzert der tschechischen Bluegrass Formation Blackjack war Teil des 2. Bühler Bluegrass Summit, gleichzeitig aber auch öffentliches Konzert. Der Saal war voll geworden, die Band hat ihre Klasse unter Beweis gestellt und wurde erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gelassen. Mit dieser Performance sprach die Formation eine Empfehlung für tschechische bzw. „östliche“ Bluegrass Bands aus, an der in Europa aus musikalischen und sogar finanziellen Gründen kaum vorbeizu-kommen ist. Die entsprechende Sogwirkung befruchtet aber das Zusammenleben und den Kulturaustausch in positiver Weise, es besteht letztlich ein dringendes dahingehenden Bedürfnis, das im Bereich Bluegrass federführend bedient wird und hier auch gut aufgehoben ist.

Schon etwas mehr als ein Dutzend Jahre tritt Blackjack in Erscheinung, Ondra Plu-cha (Gitarre), Martin Kubec (Banjo), Slavek Podhrasky (Mandoline) und Richard Podhrasky (Kontrabass) brachten an der Fiddle Ondra Kozak von der Bluegrass Band Kreni als virtuosen Gast mit. Gesanglich sind alle Bandmitglieder mehr als ver-siert, so waren die Grundvoraussetzungen für einen gelungenen Abend zwischen Bluegrass-Tradition und zeitgenössischer Interpretation gelegt.

Die Prager Band setzte nur gelegentlich auf die rasanten Instrumentalstücke wie “Banjo Boy Chimes“, die im Bluegrass als Publikumsmagnet gelten. Midtempo-Stücke und langsamere Lieder mit Inhalt und Substanz kennzeichneten ihren Auf-tritt, „The Train Carrying Jimmie Rodgers Home“ oder „Beyond Time“, Titelsong ihrer zweiten CD, belegten das. „One Tear“ kam gesanglich gut ausgefeilt und flott herüber, ein Duett im Stil der Louvin Brothers zeigte, wie vielseitig Blackjack agieren kann. Kleine Ausflüge an die „Tennessee Border“ und lustige Ansagen und Gesten während des Spiels sorgten für Auflockerung, ohne dass die Qualität darunter litt. Dem fetzigen „Gone Gone Gone“ folgte das zarte „Faded Love And Winter Ro-ses“, auf Wunsch von EBMA-Boardmember Martino Coppo, Mandolinist von Red Wine aus Genua, sangen Blackjack „Somewhere Between“. Liebeslieder und Lie-der über Liebe, die aus unterschiedlichen Gründen nicht gelebt werden kann, das ist das Holz, aus dem die Band ihre Kunst schnitzt. Bei näherem Zuhören findet man sich rasch selbst repräsentiert, das macht den Bluegrass so nachvollziehbar, auch wenn er auf erste Anforderung hin zunächst exotisch klingen mag.

Mit dem „East Virginia Blues“ und einigen weiteren Zugaben verabschiedete sich diese europäische Spitzenformation aus Bühl, wo im Schüttekeller ab und zu Bluegrass Bands das kabarettistische Alltagsleben aufgelockert haben. Am 14. und 15. Mai öffnet das Bühler Bluegrass Festival zum 8. Mal seine Pforten, die Musik wird dann von Vielfalt und Abwechslung geprägt sein und mit James Talley steht eine Legende der Americana Musik auf der Bühne, die man in Europa viel zu selten er-leben kann. Uncle Earle bringen Old Time Music in Form von fünf jungen Damen zu Gehör, der Bluegrass wird in moderner und traditioneller Ausführung durch vier weitere Formationen repräsentiert.

Im Rahmen des Bluegrass Summit wurden von den rund 30 Teilnehmern aus ca. 10 europäischen Nationen Themen behandelt wie Optimierung der Internetpräsenz und des Austausches durch eine Data Base und bessere Vernetzung, sowie Fort-führung eines Bluegrass Printmediums, das für Europa ab 2011 in Nachfolge der Gemeinschaft von Strictly Country (holländisch), Bluegrass Europe (englisch) und Bluegrass Bühne (deutsch) wohl einheitlich in englischer Sprache zur Verfügung steht, sofern ein kompetenter Editor gefunden wird. Praktische Notwendigkeiten, wie die Vermittlung amerikanischer und auch europäischer Bands im Rahmen von Tourneen an mehrere europäische Veranstalter, um die Flug- und Reisekosten bes-ser umzulegen, wurden angesprochen, da nur auf diese Weise für hochkarätige Formationen Europatourneen attraktiv gestaltet werden können. Die Zusammen-arbeit von Künstlern und Agenturen mit Veranstaltern wird im Wege der Nutzung des Internets sich künftig europaweit optimieren, Angelika Torrie als Chairperson und Webmaster der veranstaltenden European Bluegrass Music Association EBMA hat ihre Bereitschaft signalisiert, hier die erarbeiteten Ergebnisse umzusetzen. Das Entsenden nationaler Vertreter in die europaweit agierende EBMA und die Sinnfäl-ligkeit, europäische Vertreter und Bands in die internationale Ebene zu entsenden, International Bluegrass Music Association IBMA, waren angeschlossene Themen. Auch das Sponsoring und die bessere Verknüpfung von Medien einerseits mit Künstlern, Agenten und Plattenfirmen andererseits sind Themen, die nicht an Aktualität verlieren werden und künftige Treffen beschäftigen können.

Das verstärkte Erreichen der Jugend wurde als weiteres Sternchenthema in den Vordergrund gestellt. Der Wunsch, 2011 die Themen auf einem weiteren Summit im Wege eines Controlings erneut aufzugreifen und im Einzelfall zu vertiefen, war ein-helliger Konsens. Die Stadt Bühl wird gerne für den 3. Bühler Bluegrass Summit 2011 ein geeignetes Forum anbieten. Positiv wurde die Schaffung der Möglichkeit zu Jam Sessions aufgenommen, welche am Freitag und Samstag nach dem Abend-essen respektive nach dem Konzert sich entwickelt haben, schließlich waren rund 50 % der Teilnehmer aktive Musiker, die das komplette Instrumentarium des Bluegrass abdeckten, akustische Gitarre, Mandoline, Banjo, Kontrabass, Fiddle und Dobro. Die anderen Teilnehmer waren vornehmlich aus den Bereichen Rundfunk, Fernsehen, Printmedien und Künstleragenturen zusammengesetzt. (Friedrich Hog)