The Wilders „Someone’s Got To Pay“ Free Dirt CD-0056

Wild Old Nory/ Broken Down Gambler/ An Old Murder Ballad Come To Life/ Sittin’ On A Jury: Prologue/ My Final Plea/ Hey Little Darlin’/ Old Dirty Boot/ Raised Up My Right Hand/ Sittin’ On A Jury: The Prosecution/ Someone’s Got To Pay/ Happy That Way/ Collard Greens/ Hey Mr. Judge/ Sittin’ On A Jury: The Defence/ Sorry I Let You Down/ Rock In The Woods/ Davey Took A Gun And Killed His Wife/ Sittin’ On A Jury: The Verdict/ Sittin’ On A Jury: Epilogue/ Goodbye I’ve Seen It All

Seit 2007, als die “Wilders” während ihrer ersten kontinental-europäischen Tournee die Zuhörer von den Stühlen gerissen hatten, ist es nicht mehr ruhig um diese ungewöhnliche Band geworden. Sie offeriert eine Kreativität, die immer wieder zu ausserordentlichen musikalischen Innovationen führt, ja, die Musik dieses Quartetts scheint immer explosiver zu werden. Nun waren die Wilders nie eine Bluegrass Band im klassischen Sinne. Schon vor zwei Jahren waren sie eher eine Mischung aus Old Time und Bluegrass mit einem guten Schuss klassischem Rock & Roll und dies alles ohne Schlagzeug. Das heisst, die vier Musiker hatten eine Drum-Rhythmus-Verstärkung nie nötig und erzeugten dennoch auf ihren unverstärkten Instrumenten soviel rhythmische Intensität, sodass das Fehlen eines Schlagzeugs nie aufgefallen war. Dies hat sich nun bei der Produktion dieser 5. CD etwas geändert, denn bei sechs Titeln wurde ein Schlagzeug eingesetzt, das sich auch ganz gut in den Gesamtsound integriert und vielleicht folgt die Gruppe damit auch dem Trend der Zeit, denn auch Missy Raines hat in ihrer neuen eigenen Band „The New Hip“ ein Schlagzeug besetzt und spielt eine Art Bluegrass-Jazz.

Doch „live“, auf Tournee, geht’s bei den Wilders noch ohne Schlagzeug: In der bewährten Besetzung tourt die Band ja zur Zeit durch Deutschland: Ike Sheldon (Gesang, Gitarre, Piano), Betse Ellis (Gesang, Fiddle), Phil Wade (Gesang, Dobro, Lap Steel, Banjo, Mandoline, Gitarre) und Nate Gawron (Gesang, Bass).

Und man muss diese Gruppe unbedingt einmal „live“ erlebt haben.

Wie man bereits den einzelnen Songtiteln auf diesem Album entnehmen kann, steckt hinter diese ganzen Produktion eine Geschichte, eine Dramaturgie, die auf ein Erlebnis von Phil Wade zurückgeht, der im November 2005 als Geschworener in einem Mordprozess im Jackson County/Missouri mitzuentscheiden hatte, ob „schuldig“ oder „nichtschuldig“. Der Fall war eindeutig: Ein gerade geschiedener junger Mann hatte seine Ex-Frau erschossen. Er konnte es nicht ertragen, dass die Frau, die er einmal geliebt hatte, ihn plötzlich verschmähte. Phil Wade war erschüttert über die ganzen Begleitumstände in diesem Prozess, bei dem am Ende eine lebenslange Freiheitsstrafe stand, ohne Chance, jemals wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Er schrieb die 5 Teile von „Sittin’ On A Jury“ als roten Faden durch das Drama, die restlichen Songs wurden von den anderen Bandmitgliedern geschrieben. Das Ganze ist eine unheimlich packende Geschichte, voller Traurigkeit und Bluesfeeling, und die vielen Feinheiten der breiten Gefühlsskala kann der Zuhörer erst nach mehrmaligem Durchhören des Werkes verinnerlichen.

Walter Fuchs