Texas Heat „One-Trick Pony“ TLS-C-200901

Drawn To That Woman/ House That’s Built On Lies/ All Alone And Blue/ Piece Of Wood/ Long Gone Tomorrow/ Heart Will Recognize/ Stars Over Texas/ Drivin’ Down The Road/ Story Of Your Life/ Old Black Record/ Good Night Sweetheart/ Let ‘er Roll/ Me, Somewhere In Between/ S.O.S. To Hank

Nun wurde es also endlich veröffentlicht, das mit Hilfe eine Maxi-CD längst angekündigte komplette Album der Gruppe „Texas Heat“. Man war gespannt und kann jetzt auch getrost sagen, das Warten hat sich gelohnt, das Album ist eine Wucht.

Die Band, unter der Leitung von Frontmann Bernd Wolf, der für den Lead Gesang und die Gitarrenarbeit auf Elektro- und Akustikgitarre steht, reiht sich mit diesem Werk ganz ohne Zweifel unter die besten deutschen Country Bands ein, und deren Anzahl ist bekanntlich überschaubar. Ausser Bernd Wolf ist die inzwischen bewährte Besetzung von Texas Heat mit dabei: Pit Lenz, Pedal Steel Guitar, Dobro, Harmonika, Ukulele und Harmonie Gesang; Thomas Naatz, Bass und Harmonie Gesang sowie Ralf Müller, Schlagzeug, Perkussion und Elektrogitarre. In ein paar wenigen Songs gesellen sich auch noch als Gäste Stephan Scheuss, Elektrogitarre, Roman D. Metzner, Akkordeon und Roger Schaffrath, Elektrogitarre dazu.

Die Stimme von Bernd Wolf mit ihrem etwas schleppenden Südstaatenakzent korrespondiert immer wieder mit dem bekannten Timbre von Johnny Cash, wie auch der Gesamtsound der Band immer wieder von der frühen Musik des „Man in Black“ inspiriert zu sein scheint. Kein Wunder, denn Bernd gilt in Europa als der Johnny Cash Kenner mit einem bewundernswerten Detail-Wissen, mit anderen Worten, er ist ein wandelndes Cash-Lexikon.

Am deutlichsten wird die Anlehnung an Johnny Cash in dem Song „Old Black Record“, einer gelungenen Hommage an die frühen Jahre von Johnny Cash & The Tennessee Two bei Sun Records in Memphis/Tennessee. Speziell geht es dabei um die alte schwarze Sun Records Platte mit dem Titel „Cry, Cry, Cry“ und der Nummer 221. Aber auch die Songs „Hey Porter“, „So Doggone Lonesome“, „Get Rhythm“ und „Teenage Queen“ werden nicht vergessen, und dass auch der Tod von Luther Perkins in 1968 erwähnt wird, zeugt von Bernds Verbundenheit mit der Karriere von Johnny Cash.

Überhaupt sind alle Songs, mit Ausnahme von „Stars Over Texas“, bei dem Hans-Peter Schäfer mitgeschrieben hat, exklusiv von Bernd Wolf verfasst. Und hier offenbart sich ein weiteres Talent. Bernd Wolf ist in der Lage, seine Gedanken auf seinen langen Reisen durch Deutschland in Songs umzusetzen, Songs, die in alter Country Music Tradition mitten aus dem Leben gegriffen sind. Selbsterlebtes mischt sich mit Imagination in einer Weise, die den Zuhörer ergreift und tief berührt, wie zum Beispiel in „Good Night Sweetheart“, wo er über den Tod seiner Oma singt oder in „Drivin’ Down The Road“, bei dem man an das Thema des alten Songs „Cold Manitoba Rain“ erinnert wird, wo sich zwei Männer irgendwo in Nordamerika „in the middle of nowhere“ treffen, Typen, die gerade ihre Frauen verlassen haben, über sie reden und sich dann spontan entschliessen, wieder zu ihnen zurückzukehren. Oder der Hilferuf an Hank Williams in „S.O.S. To Hank“, als Bernd einmal im dichten Strassenverkehr steckt und von den anderen Fahrern mit Techno, House und Rave akustisch zugedeckt wird.

Dies alles sind Momentaufnahmen, Bilder, Kurzgeschichten und Tongemälde, die man so schnell nicht wieder vergisst.

Wer gute Country Music liebt, der muss dieses Album haben.

Walter Fuchs