James Talley „Heartsong“ Cimarron CIM 1014

North Dakota Girl/ I Will Come To You/ They Can’t Kill Love/ When Mama Ain’t Happy/ World Of Broken Hearts/ Are They Really Different?/ Santa Fe Blues/ She’s The One/ The Girls From Kelowna/ Cold Blooded Killers/ Whiskey And Beer/ When It Was A Love Affair/ Big Thunder/ The Most Influential Teacher/ If Only You Had Stayed/ Song For Shiloh

Als ich 1973 in Nashville James Talley zum ersten Male traf und er mir half, die Grand Ole Opry Legende DeFord Bailey zu finden, da konnte ich nicht ahnen, dass ich diesem genialen Singer/Songwriter bei meinen vielen Besuchen in der Music City USA immer wieder begegnen sollte, ja, im Laufe der Jahre entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute gehalten hat. 1982 hatte ich Talley mit Richard Weize, dem Chef von Bear Family Records, zusammengebracht, als er gerade im Fire Side Studio in Nashville an seinem Album „American Originals“ arbeitete und wenig später fand man ihn für ein paar Wochen zusammen mit seiner Ehefrau Jan in Deutschland, wo er in Bühl den badischen Lebensstil in vollen Zügen geniessen konnte. Ich werde nie vergessen, wie er in Baden-Baden das Hinweisschild zum „Alten Schloß“ kommentierte: „Aha, alte Schlopp“. Wie kann ein Amerikaner wissen, dass es sich beim griechischen Beta auch um das deutsche scharfe „S“ handelt.

Ich begleitete James Talley bis heute, teils vor Ort, teils aus der Ferne, durch alle Höhen und Tiefen seines Lebens in Nashville, einer Stadt, in der er zu leben gezwungen war, in der er als akademisch gebildeter Sozialarbeiter begonnen und sich als sensibler Künstler entfaltet hatte, seine Chancen bekam und sich dennoch vom eiskalten Kommerz dieser Musikstadt abgestossen fühlte. Mit seinem „Nashville City Blues“ hat er schon vor vielen Jahren mit dem Kommerz des heutigen Musikgeschäfts knallhart abgerechnet und in etwa zwei Jahren wird er sich auf seine Adobe Hacienda in New Mexico zurückziehen.

Zuletzt traf ich James Talley, der sich mit seiner Musik auf Jimmie Rodgers, Bob Wills, Woody Guthrie und Merle Haggard beruft, im Oktober 2008 in Nashville, wo er mir in seinem Büro spontan sein neues Studio-Album „Heartsong“ vorspielte, vom ersten Titel bis zum letzten, insgesamt 16. Ich war fasziniert. Das war wieder der James Talley der 70er Jahre, so frisch und kraftvoll, aber auch so voller Schwermut, wie damals auf seinen ersten Alben „Got No Bread, No Milk, No Money, But We Sure Got A Lot Of Love“, „Tryin’ Like The Devil“ und „Blackjack Choir“. Da sind die Themen, die James Talley ein Leben lang beschäftigt haben und zu denen er immer wieder zurückkehrt: Die Train-Songs, die hart arbeitenden Menschen, die Erinnerungen an vielleicht bessere Zeiten, der Verlust geliebter Menschen und die amerikanischen Indianer; schliesslich ist James wie auch Ehefrau Jan teilweise Cherokee. James Talley, mit Cherokee-Blut in den Adern und einem tiefschwarzen Blues im Herzen, einen Blues, den er in den 35 Jahren unserer Freundschaft niemals abschütteln konnte.

Diese neueste CD fasziniert deshalb vom ersten bis zum letzten Ton, von „North Dakota Girl“, den Erinnerungen an eine Jugendliebe bis zum Abschied von „Shiloh“. Für Talley ist es der Abschied von seinem treuen Hund, für den Zuhörer vermag der Song eine starke Projektion auf eigenen Trennungsschmerz verursachen.

„It’s A World Of Broken Dreams“, singt James Talley, doch glücklicherweise ist es auch eine Welt, in der dieser begnadete Barde schreibt, singt und Platten einspielt, kraftvoll und ehrlich, wie immer. Dieses Album präsentiert Songs, die aufwühlen, die packen, gesungen von Talley und begleitet von Top-Instrumentalisten. Es sind Songs für die Ewigkeit. Und mit etwas Glück, werden wir James Talley, den Lieblingssänger von Ex-Präsident Jimmy Carter, auch 2010 in Bühl begrüssen können.

Walter Fuchs