European Bluegrass Summit 2009 in Bühl

Randnotiz

Auch nach den offiziellen Teilen des europäischen Bluegrass Gipfeltreffens blieben die etwa 30 Teilnehmer meist zusammen und trafen sich in verschiedenen Gaststätten in Bühls Innenstadt zum Essen, Trinken und Plaudern. Dabei erfuhr man am Rande die merkwürdigsten Dinge. Die beiden russischen Teilnehmer kamen aus Nischni Nowgorod (etwa 400 km östlich von Moskau). Alexander Gubanov ist Arzt (Orthopäde) an einer Klinik und Mikhail Dushin, ein Ingenieur, sprach zum grossen Erstaunen der deutschen Teilnehmer ein fast akzentfreies Deutsch. Sein Vater, so erklärte er, war Offizier in der Sowjetarmee und war in Deutschland stationiert. So verbrachte der junge Mikhail 2 Jahre seines Lebens in Magdeburg, wo er fleissig die deutsche Sprache übte.

Gruppenfoto (die Gruppe ist nicht ganz vollständig)

Den überraschten Summit-Teilnehmern gab er dann auch zu vorgerückter Stunde eine Kostprobe seines Könnens und sang das Lied: „Berlin ist eine grosse Stadt, die auch einen Bäcker hat. Der Bäcker schlägt die Fliegen tot und bäckt daraus Korinthenbrot. Juppheidi und Juppheida!“ Und während Mikhail den badischen Rotwein schätzte, hielt sich sein Landsmann Alexander an harte Sachen. In Ermangelung von Wodka, genoss er das badische Kirschwasser und war gegen Mitternacht irgendwie glücklich.

Fred Bartenstein in Aktion

Auch die Sängerin und Radio/TV-Moderatorin Lilly Drumeva aus Bulgarien entpuppte sich als Sprachgenie. Ausser Bulgarisch spricht sie Russisch, Englisch und Deutsch.

Walter Fuchs beim Vortrag

OB bei der Begrüssung mit Dolmetscherin Angelika Torrie aus der Schweiz

Sensationell wurde es, als der Ire Richard Hawkins begann, Gedichte von Hans Breitmann vorzutragen. Hans Breitmann war das Pseudonym von Charles Godfrey Leland (1824 – 1903), der in Deutschland studiert hatte, im amerikanischen Bürgerkrieg unter General Sherman für die Nordstaaten kämpfte und zeitlebens ein stark deutsch eingefärbtes Englisch sprach. Und genau so hat er auch Gedichte geschrieben und wenn man diese Gedichte so liest, wie sie geschrieben sind, verfällt man selbst in ein ganz kurioses Englisch, ja streckenweise schrieb Breitmann sogar in reinem Deutsch. Offensichtlich sprachen im 19. Jahrhundert viele deutsche Einwanderer ein solches Kauderwelsch. Hier ein Ausschnitt aus einem Gedicht, so wie es Richard Hawkins vorgetragen hat:

HOW DER BREITMANN CUT HIM OUT

O yes I know die Wittwe,
Mit eyes so prite und proun!
She’s de allerschönste Wittwe
Vot live in dis here down.
In her plack silk gown – mine grashious!-
All Puttoned to de neck-
Und a pooty liddle collar,
Mitout a shpot or shpeck.
Ho! Clear de drack you oder fraus-
You can’t pegin to shine
Vhende lofely vidder cooms along-
Dis vidder ash ish mine!
Ho! Clear de drack you Yankee chaps,
You Englishers und sooch,
You can’t pegin to coot me out,
Mitout you dalks in Dootch.
Ich hab die schöne wittwe
Schon lange nit gesehn,
Ich sah sie gestern Abend,
Wohl bei dem Counter stehn.
Die Wangen rein wie Milch und Blut
Die Augen hell und klar.
Ich hab sie sechsmal auch geküsst-
Potztausend! Das ist war.

Selten so gelacht!

von links nach rechts:

Alexander Gubanov/Russland, Lilly Drumeva, Bulgarien, Hannah Johnson, England, Mikhail Dushin, Russland

Walter Fuchs


Karl Heinz Siber , W.F. und Ruth Ellen Gruber

(Fotos: Lilly Pavlak )