Bryan Clark „Gossip, Inspiration and Slander“ Rainfeather 25683 2


Acoustic CD:

Angelyne/ Midnight Kisses/ Raven King/ Blackberry Blossom/ Nights Like These/ Dom On The Saddlehorn/ Kiss The Bride/ Predictions Of You/ Midnight And The Harvest Moon

Electric CD:

Angelyne/ Bumper To Bumper/ Down In Flames/ Midnight Kisses/ The Way It Is/ Nights Like These/ You Follow Me/ Don’t Blame Me/ Yes It Is/ All That Really Matters

Mit der zunehmenden Popularität der Bluegrass Music in den USA registriert man, dass der Nachwuchs talentierter Musiker sich nicht mehr nur auf die Jungs und Mädels vom Land beschränkt, sondern dass sich mehr und mehr Musiker aus den Großstädten der Ostküste wie Boston oder New York City vom High Lonesome Sound aus Kentucky angezogen fühlen. Der grosse Unterschied ist allerdings, dass dieser neue Bluegrass-Nachwuchs nicht mehr mit dieser Musik irgendwo in den Bergen aufgewachsen ist, sondern dass er oftmals über Rockmusik, Pop und Jazz und einem abgeschlossenen Musikstudium sich plötzlich vom akustischen Sound der Bluegrass Music angezogen fühlt. Dass diese urbanen Virtuosen dann einen neuen Sound kreieren und von traditionellen Spielformen oft nur noch wenig übrig bleibt, ist logisch und folgerichtig. Diese Musiker haben einen anderen Background und bringen letztendlich die Bluegrass Music ein Stück weiter, sie entwickeln und beleben diesen Stil.

Zu diesen Musikern der neuen Bluegrassgeneration gehört der Gitarrenvirtuose, Sänger und Komponist Bryan Clark. Er wuchs in Texas auf mit der Musik von Joni Mitchell, Neil Young und den Beach Boys, später kamen starke Einflüsse von Guy Clark und Townes Van Zandt dazu, und auch Steve Earle und Bob Wills hinterliessen gravierende Spuren in der musikalischen Entwicklung.

Bryan Clark studierte am Berklee College of Music in Boston, an der University of Southern California und der University of Texas. Er promovierte und arbeitet an der Belmont Universität, wo er Komposition, Jazz Harmonie und amerikanische Song-Geschichte lehrt.

Die entscheidende Wende hin zur Bluegrass Music geschah, als Bryan Clark die Musik von Ricky Skaggs hörte. Er war begeistert vom High Lonesome Sound, dem hohen musikalischen Standard dieser Musik und der Möglichkeit zur jazzmässigen Improvisation.

Bereits 2002 gründete Clark sein eigenes Trio „Honeywagon“, mit dem Resultat, dass insgesamt 3 Alben eingespielt wurden, wobei das dritte mit dem Titel „Green Day, Blue Grass“ wohl das erfolgreichste wurde, denn 2006 stand es auf Pos.6 der Billboard Bluegrass Verkaufscharts.

Jetzt liegt eine neues Werk von Bryan Clark vor, ein Doppelalbum. Beide CDs präsentieren ein breites musikalisches Spektrum, von den Klängen eines Strawinsky über Coltrane bis zu Monroe. Clark schreibt dazu: „Der Zuhörer erlebt mit diesen beiden CDs, der akustischen und der elektrischen, zwei Seiten von mir und kann gute Vergleiche ziehen.“

Bei der elektrischen CD geht es vor allem um die Jazz-Seite von Clark mit einer deutlichen Verbeugung vor der Swingmusik eines Bob Wills in dem Titel „Bumper To Bumper“, während auf der akustischen CD eine fast futuristische Fortentwicklung der Bluegrass Music passiert. Ob es Bill Monroe gefallen würde, wie Bryan Clark vermutet, sei dahingestellt, fest steht allerdings auch, dass sich alles in der Kunst weiterentwickeln muss. Die Entwicklung sollte jedoch auf der Basis und ihm Rahmen des jeweiligen Stils erfolgen, dass dabei auch etwas ganz Neues entstehen kann, damit muss man immer rechnen. Das Wichtigstes ist, dass dabei das hohe Niveau bestehen bleibt und es nicht durch kommerziellen Druck zu einer Verflachung und Verwässerung kommt.

Diese Gefahr besteht bei Bryan Clark allerdings nicht. Alle seine Songs erzählen Geschichten. Vor allem in der akustischen Abteilung lässt sich Clark von Shakespeare inspirieren, von der Weltgeschichte und von seinen eigenen Tagebucheinträgen. Als Begleitmusiker hat sich Clark berühmte Musiker ausgewählt: Jazz-Fiddler Casey Dreissen (Bela Fleck, Tim O’Brien), Banjospieler Chris Pandolfi (The Infamous Stringdusters), Mandolinenspieler Matt Flinner (Todd Phillips, David Grier) und Bassist Bryn Bright (Tony Rice, Peter Rowan). Bryan Clark selbst singt und ist auf Gitarre und Dobro zu hören.

Wie sagt doch das Orakel von Delphi: „Erkenne Dich selbst“. Und dies, so sagt Clark, ist mir gelungen und so spiele ich meine Musik im Rahmen meiner Erkenntnisse, ich kann nicht anders.

Wer also mal über den Rand der klassischen Bluegrass Music hinausblicken will und Spass am Experiment hat, der ist mit diesem neuen Album „Klatsch, Inspiration und Verleumdung“ bestens bedient.

Walter Fuchs