Bluegrass Jamboree
Festival of Bluegrass and Americana Music 2009

Bluegrass geht in die Fläche, Bluegrass breitet sich aus!

Um der augenblicklichen Bluegrassbegeisterung entgegenzukommen, soll es ab diesem Jahr ein jährliches Bluegrass Festival geben, das quer durch Deutschland und die angrenzenden Länder geschickt wird. Jeweils 3 bis 4 Gruppen aus den Bereichen Bluegrass und Americana sollen künftig die Lust auf gute akustische Roots Musik flächendeckend befriedigen. Das Festival startet in diesem Jahr am 5. Dezember und endet am 20. Dezember 2009. Weitere Infos gibt es unter www.musiccontact.com

Walter Fuchs

Bluegrass Jamboree!

Festival of Bluegrass & Americana Music 2009

www.bluegrassjamboree.de

The Steep Canyon Rangers (USA)

Beverly Smith & Carl Jones (USA)

The Toy Hearts (GB)



Bluegrass ist eine äußerst mitreißende, virtuose amerikanische Folk Musik, die auf besten und meist wertvollen akustischen Instrumenten gespielt und überwiegend mehrstimmig gesungen wird. Sie erschloss sich in den letzten Jahren einer stetig wachsenden Zuhörerschaft nicht nur in den USA quer durch alle Generationen, sondern befindet sich auf einem weltweiten Siegeszug - mehr als tausend jährliche Bluegrass Festivals und ungezählte Konzerte sprechen eine deutliche Sprache. Als Alternative zu den elektronisch generierten Pop-Klängen entdecken viele junge Musikliebhaber zum ersten Mal den Charme guter handgemachter Tonerzeugung. Der Coen Brothers Film O Brother where art thou? war der erste Mainstream-Film mit einem Bluegrass/Americana Soundtrack und bereitete durch seinen Kultstatus den Boden. Kein Wunder, dass etwa Led Zeppelin Sänger Robert Plant und Bluegrass Queen Alison Krauss kürzlich ein erfolgreiches Album aufnahmen und sich Bruce Springsteen auf seiner CD mit Pete Seeger Songs von Geigen und Banjos begleiten ließ. In Europa steigt die Zahl der Fans stetig an, die Tourneen einzelner Bands verzeichnen wachsende Besucherzahlen. Zeit also, auch in Europa mit einer regelmäßigen "Werkschau" in Form der jährlichen Festival-Tournee Bluegrass Jamboree! zu beginnen und Bluegrass und seine Wurzeln vorzustellen.


Bluegrass

Im Bluegrass finden sich Elemente traditioneller Folk Musik europäischer Auswanderer z.B. aus Irland und England, Klänge der Sklaven und weiße/schwarze Kirchenmusik die sich in den ländlich geprägten südöstlichen Staaten der USA zu einer besonderen Form vereint haben. Bill Monroe mit seiner legendären Band The Bluegrass Boys (benannt nach ihrem Herkunftsstaat Kentucky, wo das Gras eine besondere bläuliche Farbe hat) erfand in den 40er Jahren diese Mischung. Instrumente sind Geige (Fiddle), fünfsaitiges Banjo, Mandoline, Gitarre, Kontrabass und die waagrecht gespielte Hawaiigitarre, genannt Dobro. Guter Bluegrass ist zwar technisch mindestens so anspruchsvoll und komplex wie Jazz (manche bezeichnen ihn auch als "Jazz from the Hills"), dennoch spielt der Gesang (als dominierendes Element) die Hauptrolle. Intensive Solostimmen sowie zwei- bis vierstimmige Vokalsätze in den Refrains begeistern selbst das anspruchsvollste Publikum. Die Themen der Songs decken wie in jeder Volksmusik die gesamte Bandbreite der Lebenserfahrungen und -philosophien ab und handeln, entgegen vieler Vorurteile, nur selten von Pferden, Trucks oder Cowboys, sondern spiegeln vielmehr das Phänomen des "White Man's Blues" wieder: Love, Life and Death, Places...



The Steep Canyon Rangers (USA)

Die Band aus Asheville, North Carolina besteht seit 10 Jahren in der gleichen Besetzung und gehört zu den "Jungen Wilden" des Genres. Sie verbinden die Energie des frühen Bluegrass mit Intensität, Innovation und Spielfreude der Rock- und Popmusik plus Zutaten aus Honky Tonk, Country und Blues - ohne dabei auf die Standard-Instrumente zu verzichten. Viele Auszeichnungen, Hits in den Bluegrass-Charts und ein extremes Tourneeprogramm begleiten den Weg dieser großartigen Künstler, die zum ersten Mal in Europa zu sehen sein werden. Sie kommen mit ihrem brandneuen Album "Deep in The Shade" im Gepäck von einer Supertournee mit Filmstar und Banjoman Steve Martin, die sie bis in die Late Night Show von David Letterman führte.


Beverly Smith & Carl Jones (USA)

Das vielgefragte äußerst unterhaltsame Duo widmet sich den puren Wurzeln der Bluegrass Musik. Die beiden Künstler zelebrieren traumhaften Duett - Gesang, ein Element aus der goldenen Zeit der Old-Time Country Music. Dazu lassen sie die tanzbaren Fiddle Tunes, die traurigen Balladen der Appalachen-Berge und Songs legendärer Country Stars der ganz frühen Jahre wie Carter Family oder Jimmie Rodgers lebendig werden. Mit ihren lockeren Sprüchen präsentieren die beiden die humorvolle Seite des Down-Home Folk Entertainments. Beverly Smith war mit den Heartbeats, der ersten progressiven Frauen Oldtime Band bereits schon 1993 in Deutschland, Carl Jones kennt man als Mitglied der Band des großen Folk Musikers Norman Blake.


The Toy Hearts (UK)

Vater Stewart und seine zwei jungen Töchter Hanna und Sophia aus Birmingham bilden den Kern einer der spannendsten europäischen Bluegrass Bands. Sie holen die Musik ihrer Auswanderer-Vorfahren zurück und frischen sie mit einem eigenständigen, frechen englischen Element und stilechten Eigenkompositionen auf. Kürzlich sorgten sie beim wichtigsten Event in den USA, der World of Bluegrass, für großes Aufsehen, ihr neuestes Album wird in Nashville produziert werden und eine weitere USA Tournee ist in Planung. Stewart Johnson ist Urgestein der britischen Bluegrass/Country Szene, Hanna Johnson spielt die typische Flatpicking (Plektrum) Solo-Gitarre, traditionell eine extrem seltene Frauen-Rolle in der Bluegrass Music und Sophia schreibt und singt diese wunderbaren Songs, die selbst kritische Fachblätter wie "Bluegrass Unlimited" schwärmen lassen.




Über die Bluegrass Musik

"O brother where art thou.?" - der preisgekrönte Film-Hit der Coen-Brothers hat einen großen Teil zu einer Renaissance der ländlichen Musik aus den Südstaaten der USA beigetragen. Gerade in Europa, wo die Genres Bluegrass, Oldtime und Acoustic Country bislang eher einem begeisterten Fachpublikum geläufig waren, scheint ein regelrechter "Hillbilly"-Wahn auszubrechen. Vor allem junges Publikum hat Film-DVD und Soundtrack in unglaublicher Stückzahl aus den Läden getragen und scheint mehr denn je angetan von Einfachheit und tiefer Emotionalität der Musik aus den Appalachen. Ein Trend, der in der aktuellen Rockmusik ebenfalls auszumachen ist, akustische Instrumente und reduzierte Sounds bestimmen den neuen Klang. Von jeher war die Musik in den Bergen dank ihrer Abgeschiedenheit ein besonders intensives Element im Leben der Menschen. In den traditionellen Stücken finden sich schlicht, aber äußerst effektvoll die Themen des Lebens: Liebe, Trauer, Tragik, Klatsch, Freude, Abschied, Ankunft, Verlust, Natur, Glauben.

Die Musik ist tief verwurzelt im Alltagsleben der dortigen Bevölkerung und wird oft in familiärem Umfeld praktiziert. Die Stücke werden von Generation zu Generation überliefert und weiterentwickelt. Das ist ein Grund, warum der Szene so viele junge hoch talentierte Musiker zur Verfügung stehen und immer wieder ganze Familien bzw. Brüder und Schwestern auf einer Bühne zu sehen sind.


Im Schatten der erfolgreichen Country-Varianten Rock'n'Roll, Rock und Electric Country hatten die akustischen Klänge stets einen schweren Stand: Musiker wie Bill Monroe, Flatt & Scruggs und die Stanley Brothers gingen den harten Weg des Unkommerziellen. Erst durch die Erfolge im Folk-Revival der 60er Jahre wurde die Bluegrass Music, die schnelle, fast jazzartige und hochvirtuose Form der Appalachenmusik, von einer steigenden Zahl von Fans geschätzt. Durch unzählige Bluegrass-Festivals sowie Konzerte in Theatern und Hallen entstand eine Lebensgrundlage für professionelle Bands, die dadurch die Musik zu neuen Höhen weiter entwickeln konnten.


Die Instrumentierung, Banjo, Geige, Mandoline, Kontrabass, Dobro (akustische Hawaiigitarre) und Stahlsaitengitarre sowie die typischen mehrstimmigen Gesangssätze sind meist geblieben. Verändert haben sich die Texte, zumal immer mehr Musiker das Genre bereicherten, die nicht direkt aus den Bergregionen stammen. Die Lyrik ist feiner, differenzierter und entstammt der aktuellen Lebenssituation der Komponisten. Mittlerweile sind auch in Europa in den letzten Jahren verstärkt Künstler der Spitzenklasse aufgetreten (z.B. The Wilders, The Infamous Stringdusters, Crooked Still, Lynn Morris, Laurie Lewis oder Del McCoury) und haben ein begeistertes Publikum mit dem Wunsch nach mehr Bluegrass-Input vorgefunden. Und endlich werden Bluegrass-Bands auch verstärkt als attraktive Facette in der Weltmusikszene wahrgenommen: So buchte etwa das größte deutsche Weltmusikfestival in Rudolstadt Bluegrass Topstar Lynn Morris und beim Amerika-Schwerpunkt des Festivals 2007 Valerie Smith & Liberty Pike, 2008 die Neo-Folk Truppe The Crooked Jades und 2009 die Banjo Rapper „Deadly Gentlemen“.

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