Valerie Smith und ihre Band in Landau begeistert gefeiert

Es war eine kurze aber umso erfolgreichere Deutschland-Tournee, die Valerie Smith mit ihrer Band „Liberty Pike“ im Anschluss an eine ausgedehnte England/Irland Tour vom 1. bis 4. August durchgezogen hat. Schon der Start am 1. August im Sudhaus von Tübingen war mit über 180 Besuchern bemerkenswert. Das Kulturufer-Festival in Friedrichshafen war am 2. August mit 250 zahlenden Gästen ausverkauft, das Bardentreffen in Nürnberg, ein Geschenk der Stadt an ihre Gäste, war am 3. August sehr gut besucht und die Abschlussvorstellung im malerischen Innenhof des Frank-Loebsch-Hauses mit seinen 3 Rundumgalerien in Landau war mit etwa 240 Besuchern so gut wie ausverkauft. Es war das Abschlusskonzert einer langen, anstrengenden Tournee, doch Valerie Smith zeigte mit ihrer Band in teilweise neuer Besetzung keinerlei Müdigkeit. In Landau zündete sie ein musikalisches Feuerwerk, das von der ersten bis zur letzten Sekunde das begeistert mitgehende Publikum in Bann hielt. Auch nach fast 2 Stunden Konzert erklatschten sich die Besucher noch viele Zugaben. Am Ende konnte man auch noch die neue Duett-CD von Valerie Smith & Becky Buller „Here’s A Little Song“ Bellbuckle Records BBR-021 kaufen. Dieses Album wird im September 2008 in den USA veröffentlicht.

Valerie Smith zeigte sich auch in Landau wieder einmal mehr als funkensprühender Feuerball. Ihre Stimme ist nach ein paar Problemen in den vergangenen Jahren wieder voll präsent und sie ist damit in der Lage, ihr gesamtes Repertoire durchzuziehen. Die Ausdrucksstärke, das Temperament, das Feeling, die Intensität und die Dynamik, alles ist wieder stimmig und wohldosiert. Instrumental wechselt sie von der Mandoline mal zur Fiddle oder auch zur Gitarre.

Mit Becky Buller hat Valerie Smith schon vor einigen Jahren eine Sängerin und Musikerin gefunden, die fast massgeschneidert zu ihr passt, menschlich wie auch musikalisch. Ob im Duett mit Valerie oder als Solosängerin, Becky Buller umschmeichelt Valerie mit ihrer geschmeidigen Stimme oder setzt als Solistin ihre eigenen Akzente. Auf Fiddle und Banjo hat Becky sich sogar noch gesteigert und meistert auch bei Höchstgeschwindigkeit die schwierigsten Passagen, etwa im bekannten „Orange Blossom Special“. Überhaupt nehmen die Train-Songs im Repertoire der Valerie Smith Band einen wichtigen Platz ein und neben den Eigenkompositionen von Valerie und Becky widmet sich die Band auch intensiv altem Songmaterial von Wayne Raney, Jimmy Dean und den Louvin Brothers.

Von den Neuzugängen in der Valerie Smith Band ist der Bassist Bobby Davis wohl am längsten mit dabei. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes der ruhende Pol der Gruppe, legt eine solide rhythmische Grundlage und rafft sich auch mal zu solistischen Passagen auf.

Sensationell Chad Graves an der Resophonic Guitar. Dieser Virtuose zeigt auf, dass es zwischen einem Brother Oswald und einem Jerry Douglas auch noch andere Spielweisen auf der Dobro-Gitarre gibt. Basierend auf dem 3-Finger-Picking Stil eines Josh Graves, zaubert Chad Graves ein wahres Feuerwerk aus diesem so schwierig zu spielenden Instrument. Ob langsam und klagend oder rasant swingend, immer sitzt jeder Ton präzise, auch bei höchstem Tempo. Vom Publikum begeistert gefeiert der „Steel Guitar Rag“, der auf der Resonator-Gitarre besonders reizvoll klingt. Graves erwies sich im Verlauf des Abends, besonders bei den Gospel-Songs, auch als hervorragender Bass-Sänger.

Wäre last not least noch der neueste Mitstreiter der Band zu erwähnen, Gitarrist Eric Lambert aus Indiana, der erst seit wenigen Monaten dabei ist, aber der schon so integriert wirkt und reagiert, als wäre er bereits seit vielen Jahren mit dabei. Lambert ist ein exzellenter, routinierter Flat-Picker mit genau so grossem Improvisationstalent wie die übrigen Bandmitglieder.

Zusammengefasst: die neue Valerie Smith Band musiziert wie aus einem Guss, die Chemie unter den Musikern scheint zu stimmen und man kann nur hoffen, dass Valerie mit dieser Besetzung noch recht lange das Publikum begeistert. Denn Valerie Smith & Liberty Pike präsentieren genau jene ausgefeilte Dramaturgie aus Bluegrass Musik, Swing und Acoustic Country, die in ihrem Abwechslungsreichtum beim Publikum ankommt, bei einem Publikum, das handgemachte, virtuos gespielte unplugged Musik mehr und mehr zu bevorzugen scheint. Und zieht man die Bilanz der vergangenen zwei Jahre mit Bluegrass Erfolgen beim Festival in Rudolstadt, beim Internationalen Bühler Bluegrass Festival, im Oldenburgischen Staatstheater und bei vielen anderen Events, dann gewinnt man den Eindruck, dass sich Bluegrass Musik langsam aber sicher in Deutschland etabliert.

Walter Fuchs