The Crooked Jades „Shining Darkness“ Jade Note Music CJ008

Black Sun/ Call It Something Else/ Sand Lake/ Let It Show/ Underlings/ Marrow Of A Young Girl/ Lizzy Flew The Coop/ Ghost Coat/ Lost In The Woods/ Shining Darkness Interlude/ Ohio/ The Diving Bell/ Kingdom Calling/ Sleep In The River/ Thatchwine Straw/ Winnemucca/ Old Cello Waltz/ Visible Is The Sight/ Shining Darkness

The Crooked Jades, ein Quintett aus San Francisco, wurde 1994 gegründet und hat sich der Old Time String Band Music verschrieben. Jeff Kazor, Gründer, Bandleader, Sänger, Gitarrist, Pianist und überhaupt der gute Geist der Gruppe, hat sich mit geradezu missionarischem Eifer zur Aufgabe gemacht, die Old Time Music wieder zu beleben, so wie sie damals geklungen hat, zwischen 1880 und 1930, als das Radio noch nicht alles beeinflusst, vermischt und zum Teil auch zerstört hat. Die Crooked Jades spielen deshalb ganz im archaischen Stil und werden durch ihr umfangreiches Instrumentarium zu keiner Zeit langweilig. Sie spielen in Rock Clubs und Folk-Zirkeln genauso wie bei Bluegrass Festivals. Dabei intonieren sie nicht nur die alten, meist düsteren Balladen, so wie man sie von den alten Schallplatten-Aufnahmen jener Zeit kennt, nein, da werden auch neue Songs geschrieben und mit dem traditionellen Instrumentarium begleitet wie Fiddle, Gitarre, Mandoline, Banjo, Ukulele, Dobro, Kontra Bass und sogar einem Tischharmonium.

Wer die Crooked Jades in den vergangenen Jahren, etwa seit 2003, immer wieder im Rahmen ihrer Europatourneen erlebt hat, der stellt fest, dass im Abstand von etwa 2 Jahren die personelle Besetzung der Gruppe meist total wechselt, mit Ausnahme natürlich des „Spiritus Rector“ Jeff Kazor. Auf dieses Phänomen angesprochen, meint Kazor mit einem listigen Lächeln: „Die Damen wechsle ich ganz gerne, das ist auch gut für unser Publikum, das ab und zu mal wieder etwas anderes sehen und hören will.“ So weit, so gut. Aber auch die männlichen Bandmitglieder werden immer wieder ausgetauscht. Vielleicht kann man den oft ekstatischen, ja, geradezu fanatisch wirkenden Bandleader nicht zu lange ertragen, einen Besessenen, der im persönlichen Gespräch völlig normal und ausgeglichen wirkt.

Auf dem neuesten Album „Shining Darkness“ präsentieren sich die Crooked Jades teilweise in ihrer neuen Besetzung, wobei man in der Vergangenheit immer daran gewohnt war, dass auch beim kleinsten Personalwechsel der musikalische Standard bewahrt wurde. Auch hier stellt man das wieder fest, allerdings mit einer kleinen Ausnahme. Die wunderbare, einfühlsame, geradezu ätherische Stimme von Jennie Benford, die fast aus einer anderen Welt zu kommen schien, konnte durch die Kanadierin Leah Abramson (Lead Gesang, Ukulele, Gitarre, Harmonium) nicht ersetzt werden. Instrumental stimmt bei Leah zwar alles, aber beim Gesang denkt man mit etwas Wehmut an die Jennie früherer Zeiten. Sonst ist der Personalwechsel einwandfrei gelungen mit Sophie Vitells (Fiddle), Seth Folsom (Banjo, Slide Guitar) und Charlie Rose (Bass, Harmonium). Inzwischen wurde auch Seth Folsom durch Rose Sinclair ersetzt, wie man auf der jüngsten Tournee der Gruppe registrieren konnte.

Zusammengefasst, auch dieses jüngste Album der Crooked Jades ist wieder einmal eine Offenbarung für alle Freunde des alten Sounds aus dem neuen Amerika, die alte, solide Basis gewürzt mit neuem Feeling und neuen Ideen.

Die Düsternis, die Schwermut, die Melancholie und die Verzweiflung, welche diese Musik noch immer ausstrahlt, kann man mit einem Glas Rotwein verstärken oder, je nach Temperament, auch mit einem Gläschen Sekt kompensieren.

Walter Fuchs