Solal „The Moonshine Sessions“ Ya Basta! 8035 CD/DVD

CD:

Jim Lauderdale “The Academy Of Trust”/ Lucas Reynolds: “Luna’s Song”/ Shawn Camp: “The Roads To Nowhere”/ Sam Bush & Melonie Cannon: “Psycho Girls & Psycow Boys”/ Melonie Cannon: “I Lost Him”/ Troy Johnson & Carey Kotsionis & The Nashville Bluegrass Band “Fade Away”/ Ronnie Bowman “Always Alone”/ Melonie Cannon “Dancing Queen”/ Ronnie Bowman “The Private Song”/ Rosie Flores “Pretty Vacant”/ The Nashville Bluegrass Band “I’m Rollin’”/ David Olney “Seven Guns & Seven Holes”

DVD:

The Making Of/ Acoustic Unreleased (Apple Wine/ Red Winged Angel/ Ride The Dragon)/ Remixes (Luna’s Song/ Psyco Girls & Psycow Boys/ I Lost Him)


Was für die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika, als das Land der Gegensätze, gilt, das beobachtet man auf kleinstem Raum besonders in Nashville, der Stadt mit den vielen Gesichtern. Dies muss im vergangen Jahr auch Franz Dobler so erlebt haben, denn er war vom Grand Ole Opry Auftritt des 86-jährigen Jimmy Dickens sichtlich begeistert wenn er schreibt: „Er, Jimmy Dickens, deutet Rock ‚n’ Roll Schritte an, schwingt die Gitarre, man spürt noch, dass dieser Typ einst das Dynamit geliefert hat, ohne das kein Elvis explodiert wäre“. Dobler geniesst offensichtlich auch die Auftritte der Whites und der Del McCoury Band, doch er erwähnt auch einen gewissen Andy Griggs „mit seinem so erfolgreichen wie ekelhaften Pop-Country-Brei“, nicht zu vergessen Hank III, den Enkel von Hank Williams, der es auf seinem Album „Straight To Hell“ auf den Punkt bringt: „Die Nashville-Country-Chefs und ihre Hitlieferanten sind eine Bande von Arschlöchern, doch zum Leben ist Nashville die beste Stadt der USA.“ Und Dobler vergisst auch nicht, das Schermerhorn Symphony Center, Nashville’s neuen Musikpalast, zu erwähnen. Endlich hat das berühmte Symphony Orchestra der „Music City USA“ ein eigenes Haus.

Ausser Franz Dobler war aber auch der Franzose Philippe Solal im vergangenen Jahr in Nashville und hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Solal, ein Musiker, Komponist, Produzent und ehemaliger Disc Jockey, hatte sich von seiner Heimatstadt Paris auf den Weg nach Nashville gemacht, auf der Suche nach der echten Country Music, nach der Natur, der frischen Luft und der Freiheit im Land der Dollarnoten. Er hat sich in Nashville ein paar Sängerinnen, Sänger und Musiker gesucht, Künstler aus den Bereichen Americana und Bluegrass, und sie für sein Projekt begeistert: Country Music in einer lockeren, entspannten Atmosphäre zu praktizieren, ehrliche Musik zu machen, fernab von den widerlichen Klischees, welche dieser herrlichen Musik in der Vergangenheit fast irreparable Schäden zugefügt haben und auch heute noch zufügen.

Philippe Solal hatte für das Experiment einen gewissen Buddy Baxter begeistert, der jahrelang mit Bob Dylan auf Tournee war. Und in Buddy Baxter’s „3 Trees Studio“, etwas ausserhalb von Nashville, wurde produziert und viel illegal gebrannter Bourbon Whiskey getrunken. Daher auch der Name „The Moonshine Sessions“ für das ganze Projekt, das eine grossartige Musik präsentiert. Einsamkeit ist angesagt, Traurigkeit und Verlassenheit, vielleicht sogar Verzweiflung. Was früher in den Hügeln von Tennessee und Kentucky „high lonesome“ war, das möchte man für diese Musik verkürzt einfach als „lonesome“ apostrophieren. Mit dabei sind so bekannte Künstler wie Jim Lauderdale, Rosie Flores, Shawn Camp, Sam Bush, Melonie Cannon, Andy Leftwich, Stuart Duncan, Kathy Chiavola, Scott Vestal, Kenny Malone und die gesamte Nashville Bluegrass Band.

Über Solal wäre noch zu sagen, dass er in jüngster Zeit etwas gegen die Diktatur des Beats und des Digitalen hat. Anders formuliert, er wollte zurück zur Natur. Er entdeckte die Country Music und nahm am Maryland College von Knoxville/Tennessee an einem Bluegrass-Seminar teil. Derart vorbereitet fiel es ihm leicht, Musiker für die Aktion zu begeistern, die sonst in den Nashville Studios die fürchterliche Mainstream-Country-Music abliefern müssen.

Über die Produktion sagt Solal wörtlich: „With the Moonshine Sessions, what I wanted was to get some fresh air and see some greenery. So I headed to the green fields of Tennessee in the land of greenbacks to record my songs. The scenery there is beautiful and smells great.”

Und in einem Spiegel-Interview gibt Solal, der selbsternannte Anwalt verkannter Stilrichtungen, sein wohl grösstes Anliegen preis: “Ich will die überzeugen, die eigentlich keine Country Music mögen. Die sollen merken, dass es grossartige Musik ist.“

Bleibt zu hoffen, dass Philippe Solal mit diesem Werk so viel Erfolg hat wie mit dem Gotan Projekt, das mehr als 2 Millionen Platten verkaufte.

Walter Fuchs