Sawmill Road „One“ SMR Records 101

When Will I Be Loved/ Goodnight Girl/ Song For A Winter’s Night/ Four Rode By/ The Mariposa Waltz/ Lovebird/ Let’s Be Sweethearts Again/ Brand New Pair Of Britches/ Southbound Train/ Lil’ Teardrops/ The Vaquero Song/ Sold Yer Joy/ Last Train To Dixie


Bei der Geburt neuer Bluegrass Bands ist es immer wieder hochinteressant, wer sich da so zusammenfindet. Oft versammeln sich jüngere bislang unbekannte Musiker um ein oder zwei bekannte Grössen, die dann auch als Frontleute fungieren. Nicht so bei der Gruppe „Sawmill Road“, die 2008 ihr Debut-Album produziert hat unter dem bezeichnenden Titel „One“. Die Band besteht ausnahmslos aus Veteranen, die alle ihre eigene lange Bluegrassgeschichte nachweisen können, aber die immer noch jung genug sind, um einen vitalen neuen Anlauf im harten Showbusiness zu unternehmen. Und durch die Tatsache, dass jedes der 5 beteiligten Bandmitglieder auch in der Lage ist, den Leadgesang zu übernehmen, gibt es in dieser Gruppe keinen „Frontmann“, das heisst wir haben es hier mit einem echten Kollektiv zu tun, bei dem jeder seine Virtuosität als Instrumentalist wie auch als Sänger einbringt und dadurch dem Sound eine gewissen Abwechslung und Farbigkeit verleiht.

Fiddler Bruce Johnson stammt aus Kalifornien und begann seine professionelle Karriere bereits 1972 mit einer grossen musikalischen Bandbreite vom sanften bis kraftvollen Fiddlesound. Er spielte in den Bands „Cheyenne“, Byron Berline’s „L.A.Fiddle Band“, „Ron Spears & Within Tradition“, „Doyle Lawson & Quicksilver“ und er musizierte mit Chris Hillman & Herb Pedersen.

Der Banjovirtuose Dick Brown stammt aus New Mexico und entdeckte schon in frühester Jugend seine Liebe zum Five-String-Banjo, eine Liäson, aus der er bis heute nicht mehr herauskam. Wörtlich sagt er: „Es hat mich einfach gepackt, als ich zum ersten Male dieses Instrument sah, und ich kann einfach nichts anderes als Banjo spielen. Selbst zu Hause in meiner Freizeit, wenn ich nicht auf Tournee bin, muss ich ganz zwanghaft zu diesem Instrument greifen.“ Dick Brown spielte in der Vergangenheit mit Bands wie „Long, Lonesome Road“, „Copper River“, „Traditional Bluegrass“ und mit der Lynn Morris Band, und er war Gründungsmitglied der auch in Deutschland sehr bekannten Gruppe „Lost Highway“ mit dem Sänger und Gitarristen Ken Orrick.

Charlie Edsall, der Gitarrist, kommt aus dem U.S. Bundesstaat Indiana und begann schon im Alter von 9 Jahren mit dem Gitarrespielen, hat sich als Komponist einen Namen gemacht und spielte in den Bands „High Strung“, „Feather River“ und „Ron Spears & Within Tradition“.

Mark Miracle, der Mandolinenspieler, stammt aus Arizona, hat zahlreiche Mandolinencontests gewonnen und spielte in den Bands „Shady Creek“, „Mountain Therapy“ und „Clear Blue“.

Steve Spurgin aus Texas legt mit seinem routinierten Bassspiel die rhythmische Grundlage für jede gute Bluegrass Band. Dies hat er bewiesen in den Gruppen „Wild Oats“, „Cheyenne“, Byron Berline’s „Sundance“, „The Limeliters“, „Bluegrass Etc.“, „California“ und in den Bands von Mason Williams und Freddy Fender. Nun also auch bei „Sawmill Road“. Steve Spurgin wurde ausserdem bekannt durch seine wunderschönen Songs, die er im Verlauf der Jahre geschrieben hat und die von zahlreichen bekannten Stars aufgenommen wurden. Auf der vorliegenden CD ist die Spurgin-Komposition „Lovebird“ zu hören.

Überhaupt besticht dieses Album nicht nur durch die Virtuosität der beteiligten Musiker, ihr Improvisationstalent und ihre stimmlichen Qualitäten, sondern auch durch die Auswahl der Songs, zum Beispiel Phil Everly’s „When Will I Be Loved“, Dan Crary’s „Goodnight Girl“, Ian Tyson’s „Four Rode By“ oder Gordon Lightfoot’s „Song For A Winter’s Night“. Dies sind alles Songs, die man nicht alle Tage im Repertoire einer Bluegrass Band findet, doch der Charme, den diese Lieder gerade im Bluegrass Stil ausstrahlen, ist einfach überwältigend. Nicht zu vergessen, die zwei herrlichen Train-Songs „Southbound Train“ und „Last Train To Dixie“ beweisen, dass die Eisenbahnsongs noch längst nicht ausgestorben sind.

Walter Fuchs