Asleep At The Wheel verzaubern Four Corners

Die neunfachen Grammy-Gewinner Asleep At The Wheel feierten einen großartigen Erfolg im voll besetzten Four Corners in Untermeitingen, zwischen Augsburg und Landsberg gelegen. Am Montag, den 21. Juli brachten sie 2 Stunden lang Country Music mit Steel Guitar und Fiddle zu Gehör, Western Swing in Vollendung. Die siebenköpfige Band hat durchweg für Begeisterung gesorgt und erwies sich als 5 Mal besser, als die “average band”, die man überall hört.

Ray Benson und seine insgesamt siebenköpfige Band Asleep At The Wheel laufen bereits auf ihr 40-jähriges Jubiläum zu. Ihr Markenzeichen ist der Western Swing, der in den 40-er Jahren des 20. Jahrhunderts insbesondere in Texas, Oklahoma und Kalifornien die beliebteste Tanzmusik darstellte. Bob Wills & The Texas Playboys hatten Musikgeschichte geschrieben, bis Mitte der 50-er Jahre der Rock’n’Roll dem Western Swing den Rang ablief und die Musik sukzessive auf dem Rückzug war. Erst durch Schallplattenaufnahmen von Merle Haggard in den 60-er Jahren, die dem “verdammt besten Fiddle Spieler der Welt”, Bob Wills, gewidmet waren, “A Tribute To The Best Damn Fiddle Player in The World”, kam eine neue Generation von Musikern und Fans auf den Geschmack. Asleep At The Wheel und Commander Cody & The Lost Planet Airmen waren die wichtigsten Formationen des Western Swing Revivals der 70-er Jahre.



Der Elan der Musiker, verbunden mit großer Spielfreude und Virtuosität und die Begeisterungsfähigkeit des fachkundigen Publikums in Untermeitingen kamen beim Auftritt von Asleep At The Wheel voll durch. “Miles And Miles Of Texas” erklang und die Stimmung war auf dem Höhepunkt, wo sie 2 Stunden lang ohne Pause blieb. Boogie gehört nach wie vor zur Spezialität der Formation, “Route 66”. Diesen und alle anderen Titel im Repertoire verstand die Band, sich komplett zu eigen zu machen, egal ob Marshall Tucker Band oder “Take Me Back To Tulsa”, “San Antonio Rose” oder andere Klassiker von Bob Wills. “Sittin’ On Top Of The World”, langsamer gespielt als im Bluegrass üblich, gab den Musikern Raum für Improvisationen, Ray Benson bedient eine sehr gute elektrische Gitarre, Jason Roberts die Fiddle, die hier ganz anders zum Einsatz kommt, als dies in der modernen Country Music der Fall ist. Hier werden Melodien getragen und in Kombination mit der Steel Guitar entwickelt sich die Eigendynamik, die eine Basis für guten Western Swing darstellt. Die andere Seite sind die vom Jazz herrührenden Bläser wie Saxophon und Trompete, die vor 20 Jahren auch den Sound von Asleep At The Wheel geprägt hatten. Diese waren fast gänzlich verschwunden, lediglich ein gelegentlicher Saxophoneinsatz sorgte für Szenenapplaus. Die volle und klare Baritonstimme von Ray Benson wurde zum Teil ergänzt durch den Tenorgesang von Jason Roberts und durch gelegentlichen vokalen Einsatz der akustischen Gitarristin Elizabeth McQueen. Fats Waller’s “Ain’t Missbehavin’” begann jazzig, entwickelte sich gegen Ende immer rockiger, was ein gutes Pendant ergab zu der ansonsten stilechten Country Music, die allenfalls vom Piano in Form eines Keyboards ab und zu aufgemischt wurde, das aber mit viel Können und Spielwitz.

Western Swing ist eine Tanzmusik, sie soll den Leuten nach erledigter harter Arbeit Spaß und gute Laune bereiten. Dies bedeutet nicht, dass es gänzlich ohne emotionale Momente abgehen müsste, Patsy Cline’s “Walkin’ After Midnight”, Townes Van Zandt’s “Pancho & Lefty” oder der Willie-Nelson-Toperfolg “Angel Flying Too Close To The Ground” mögen als gelungene Beispiele dafür dienen, dass es auch beim Western Swing mit tief empfundenen inneren Gefühlen geht. Viel Freude bereitete hiernach das lockere “Jenny Lee From Sunny Tennessee” aus dem Repertoire von Milton Brown & His Musical Brownies, sie waren eine weitere wichtige Formation des originalen Western Swing. Wie immer bei Asleep At The Wheel heizte sich die Stimmung gegen Ende nochmals um mindestens eine Stufe auf, zum absoluten Höhepunkt mit “Choo Choo Ch’ Boogie”, “Big Ball In Cowtown” und “Hot Rod Lincoln”, wo die einzelnen Instrumente ihre Soundeffekte platzieren konnten, Ray Benson an der elektrischen Gitarre seinen Läufen freie Fahrt gab und wo am Ende sich alles in der Erkenntnis ergießt, dass der Sohnemann doch lieber nicht mehr ganz so heiße Öfen fahren sollte. Beim großen Asleep At The Wheel Hit aus den 80-er Jahren “House Of Blue Lights” kochte der Saal, die Zugaben beschränkten sich auf “Cotton Eyed Joe” und “Happy Trails”, die lautstark geforderten weiteren Zugaben blieben aus. Dennoch eine Topleistung von Asleep At The Wheel, die rund 2 Stunden ohne Pause einheizten. Qualität und Unterhaltungswert müssen sich nicht ausschließen, das bewies diese großartige Performance.

Friedrich Hog