Hank Snow „Tales Of The Yukon“ Bear Family BCD 16767

The Face On The Barroom Floor/ The Shooting Of Dan McGrew/ The Cremation Of Sam McGee/ The Spell Of The Yukon/ The Ballad Of Blasphemous Bill/ The Ballad Of One-Eyed Mike/ The Ballad Of Hard Luck Henry/ My Friends


Einer der bekanntesten kanadischen Poeten ist zweifellos Robert Service. Dem heutigen Nordamerikaner mag vielleicht dieser Name nicht sofort geläufig sein, doch spätestens wenn man mit ein paar Zeilen aus dem einen oder anderen Service-Gedicht zu rezitieren beginnt, dann ist alles klar und der Gesprächspartner weiss Bescheid. Man kann es ausprobieren mit „A Bunch Of The Boys Were Hooping It Up In The Malamute Saloon; The Kid That Handles The Music-Box Was Hitting A Rag-Time Tune” aus “The Shooting Of Dan McGrew” oder mit “There Are Strange Things Done In The Midnight Sun By The Men Who Moil For Gold; The Arctic Trails Have Their Secret Tales That Would Make Your Blood Run Cold; The Northern Lights Have Seen Queer Sights, But The Queerest They Ever Did See Was That Night On The Marge Of Lake Lebarge I Cremated Sam McGee” aus “The Cremation Of Sam McGee”.

In der englischsprachigen Welt werden bereits die Schulkinder mit den Gedichten von Robert Service konfrontiert, vor allem mit jenen, die das Leben und die Natur im kanadischen Yukon Gebiet betrifft. Da gibt es die Stories von Goldgräbern und Glücksrittern, Geschichten von Freundschaft und Todfeindschaft und haarsträubende Erzählungen, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst.

Robert Service war gebürtiger Engländer (geb. 1874) und hat eigentlich nur relativ kurze Zeit seines Lebens in Kanada verbracht. Er studierte Anglistik und kam mit Hilfe seines Vaters ins Bankgeschäft, doch das bürgerliche Leben schien ihn nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Mit gerade mal 21 Jahren fuhr er nach Montreal/Kanada und schliesslich nach Vancouver Island, wo er sich als Farmarbeiter und Angestellter in einem General Store durchs Leben schlug. Er kam in Kanada noch einmal zurück ins Bankgeschäft und 1904 fand man ihn in Whitehorse im Yukon Gebiet. In seiner Freizeit unterhielt Robert Service die Schulkinder mit den Geschichten von Kipling und spielte dazu auf seinem Banjo. Als ihn der Herausgeber des „Whitehorse Star“ bat, regelmässig Geschichten aus dem Yukon Gebiet zu schreiben, da sammelte er systematisch die Original Stories der Yukon Pioniere und brachte sie wenig später auch in Versform auf den Markt, in England wie auch in Kanada.

1908 feierte Robert Service zusammen mit seinen Freunden in Dawson City die Veröffentlichung seines ersten Gedichtbandes „Songs Of The Sourdough“, in dem auch einige seiner bekanntesten Gedichte wie „The Cremation Of Sam McGee“ und „Dangerous Dan McGrew“ zu finden waren. Insgesamt schrieb Robert Service 6 Novellen, 2 autobiografische Werke und weit über 1000 Gedichte. Während des ersten Weltkriegs fuhr Service einen Ambulanzwagen, heiratete die Französin Germaine Bougeoin und lebte mit ihr bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs in der Bretagne. 1942 ist er neben Marlene Dietrich in dem Film „The Spoilers“ zu sehen und von Kalifornien ging Robert Service 1947 zurück in die Bretagne, wo er am 11. September 1958 starb. Eine Gedenktafel in Lancieux erinnert noch heute an den kanadischen Volkspoeten, an „Canada’s Kipling“.

Hank Snow, der sich schon sehr früh auf Konzept-LPs spezialisiert hatte (Old Doc Brown, 1956; Sacred Songs, 1958; When Tragedy Struck, 1959), rezitierte 1968 acht Gedichte, die mit sparsamer Instrumentalmusik unterlegt auf der LP „Tales Of The Yukon“ veröffentlicht wurden. Alle acht Gedichte wurden Robert Service zugeordnet, doch was wahrscheinlich auch Hank Snow damals nicht gewusst hatte, nur 7 dieser Gedichte stammen von Service, das 8. dagegen geht zurück auf Hugh Antoine D’Arcy (1843-1925), es heisst „The Face On The Barroom Floor“ und wurde von D’Arcy im Jahre 1887 geschrieben. 1914 diente es als Vorlage für den gleichnamigen Charlie Chaplin Film.

Wer sich einmal für etwa 40 Minuten mit Hilfe von Hank Snow in eine ganz andere Zeit, eine ganz andere Welt, mit einem ganz eigenen Codex versetzen lassen will, der ist mit den Gedichten von Robert Service und Hugh Antoine D’Arcy bestens bedient.

Walter Fuchs