Eine Reise ins „Hank Snow Country“

Wer sich irgendwann einmal für den Sänger und Gitarristen Hank Snow begeistert hat oder ihn auch heute noch mag, der sollte zumindest einmal in seinem Leben das „Hank Snow Country Music Centre“ oder wie man es auch salopp nennt, das „Hank Snow Museum“, in Liverpool/Nova Scotia/Canada besuchen. Hank Snow wurde ja bekanntlich in Kanada, Brooklyn/Nova Scotia, geboren. Doch in Liverpool, wenige Kilometer von Brooklyn entfernt an der herrlichen Atlantikküste von Nova Scotia, hat nach ihrer Scheidung Hank’s Mutter gelebt, die er oft besucht hat. Hier hat er die angenehmeren Stunden seiner frühen Kindheit verbracht und hat auch oftmals, wenn er sich nicht nach Hause zu seiner bösen Oma väterlicherseits nach Brooklyn getraut hat, auf einer Holzbank im Bahnhof von Liverpool übernachtet.
Und genau in diesem alten, stillgelegten Bahnhof von Liverpool ist das „Hank Snow Country Music Centre“ untergebracht. Für den symbolischen Preis von 1$ hat die 1991 gegründete „The Friends Of Hank Snow Society“ den alten Bahnhof 1997 von der Stadt Liverpool gekauft und das „Centre“ dort aufgebaut. Inzwischen gibt es im „Hank Snow Music Centre“ eine ganze Menge zu sehen. Hank Snow hat noch zu Lebzeiten viele seiner Erinnerungsstücke gestiftet. Nach seinem Tod, 1999, hat dann sein Sohn, Jimmie Rodgers Snow, sehr viele Raritäten aus dem Leben seines Vaters dem Museum vermacht, z.B. seine Bühnenkleidung, Musikinstrumente, Brillen, Uhren, ein Cadillac aus dem Jahre 1947, Schallplatten und sogar eines seiner legendären Toupets. Man besichtigt jene Stelle, an der Hank Snow als Jugendlicher oft in diesem Bahnhof übernachtet hat, man erfährt mit Hilfe einer Videokassette viel über seine glanzvolle Karriere anhand von Interviews und Konzertmitschnitten und man kann sich auch in aller Ruhe mit der neuen Kuratorin Wendy Rofihe oder ihrer Helferin Vina Moses unterhalten. Es werden die berühmten Hank Snow CD-Boxen von Bear Family Records angeboten und wer sich für Raritäten interessiert, der kann auch aus sehr vielen Second-Hand-LPs auswählen. Darüber hinaus kann man Hank Snow T-Shirts kaufen, Hank Snow Songbooks, Literatur über den „Singing Ranger“, allerhand Souvenirmaterial und man kann natürlich auch Mitglied in der „Friends Of Hank Snow Society“ werden.

Wer etwas mehr Zeit investiert, der sollte auch die etwa 50 Kilometer entfernte Stadt Lunenburg besuchen, in deren Hafen Hank Snow im Alter von 12 Jahren als Schiffsjunge angeheuert hat. Lunenburg, eine wunderschöne Stadt, wurde 1753 von deutschen, schweizerischen und französischen Einwanderern, den sogenannten „Protestants“, gegründet. Die Pläne für diese Stadt hatten die Deutschen bereits in der Tasche, als sie mit ihrem Schiff anlegten. Eine Erinnerungsstätte auf einem der vielen Hügel der Stadt gedenkt namentlich der vielen deutschen Erbauer von Lunenburg. „Zu Ehren Der Gründer Von Lunenburg“ steht in deutscher Sprache auf einer der Säulen. Seit 1995 gehört die Stadt Lunenburg mit ihren wunderschönen Gebäuden zum UNESCO Weltkulturerbe.

Und wer noch mehr Zeit hat, dem sei das ehemalige „Acadie“ an der „Bay Of Fundy“ empfohlen, dort lebten einst die „Cajuns“ bevor sie vertrieben wurden und in Louisiana eine neue Heimat fanden, und zahlreiche Städtenamen erinnern noch an sie. Auch die Cajun-Fahne sieht man noch ab und zu im Wind flattern: Blau-Weiss-Rot mit einem goldenen Stern im blauen Feld. Lassen Sie sich in dem kleinen Fischerdorf Hall’s Harbour mit Hummer oder Fisch & Chips verwöhnen, trinken Sie dazu einen vorzüglichen Nova Scotia Wein und lauschen Sie der urigen anglo-keltischen Musik dieser Provinz, die Hank Snow einmal in dem Song „My Nova Scotia Home“ als Heiligtum bezeichnet hat.

Walter Fuchs