„Texas Lightning“
auf dem Weg zum Grand Prix d’Eurovision de la Chanson

ein Kommentar von Walter Fuchs

Wer um die Tragik und die Zerrissenheit der deutschen Country Music Szene weiss, den mögen recht ambivalente Gefühle beschlichen haben, als am Samstag, 04.März, zwischen 00.00 und 00.30 Uhr die Band „Texas Lightning“ im NDR Fernsehen vorgestellt wurde, „Texas Lightning“, jene Country Band, die demnächst um die Teilnahme am Grand Prix d’Eurovision de la Chanson gegen Vicky Leandros und Thomas Anders in den Ring steigen wird. Positiv, dass dies eine Country Band tut, die musikalisch wie auch gefühlsmässig das transportiert, was gute Country Music ausmacht. Negativ, dass das, was bisher jeden seriösen Musikfreund von der Country Music abgestossen hat, nämlich das Cowboy-Image, jetzt wieder hochgespült wird. Jeder wird jetzt plötzlich von Country Music reden, auch wenn die Gruppe nicht gewinnen sollte. Die Country Szene in Deutschland könnte sogar kurzzeitig davon profitieren wie damals Anfang der 80er Jahre nach dem Erfolg des Films „Urban Cowboy“. Doch das Klischee vom Cowboy, vom Lagerfeuer und vom Wilden Westen wird verstärkt und verfestigt werden und dies wird bleiben, wenn längst keiner mehr von „Texas Lightning“ reden wird. Ja, man wird sogar befürchten müssen, dass das, was nach dem „Texas Lightning Craze“ übrig bleibt, schlimmer sein wird als bisher. „Texas Lightning“ wird als Beweis dienen, dass Country Music eben doch nichts anderes war und ist, als billiger „Cowboy Klamauk“, eine Modeerscheinung, an der die Band weniger Schuld hat als vielmehr das Schicki-Micki-Publikum, das Country Music mal eben als willkommene Abwechslung zum üblichen deutschen Schlager-Einerlei konsumiert, die Sache wahnsinnig „cool“ findet und sich dann wieder anderen Dingen zuwendet. Die Karawane wird weiterziehen und zurückbleiben wird das stabilisierte Klischee vom Cowboy, das in Deutschland einfach nicht auszurotten ist und das der Country Music hierzulande wohl für immer und ewig die kulturelle Anerkennung versperren wird, einer Musik, die sich aus schwarzem Blues und anglo-keltischer Folklore entwickelt hat, an amerikanischen Universitäten gelehrt und als „Blues des weissen Mannes“ beschrieben wird.