O Brother Where Art Thou

"O brother where art thou..." - der sensationelle Film-Hit der Coen Brothers hat zu einer Renaissance der ländlichen Musik aus den Südstaaten der USA einen großen Teil beigetragen. Gerade in Europa, wo die Genres Bluegrass, Oldtime und Acoustic Country bislang eher einem begeisterten Fachpublikum geläufig waren, scheint eine regelrechte "Hillbilly"-Welle auszubrechen. Vor allem junges Publikum hat die FilmDVD und Soundtrack in unglaublicher Stückzahl aus den Läden getragen und scheint mehr denn je angetan von Einfachheit und tiefer Emotionalität der Musik aus den Appalachen. Ein Trend, der in der aktuellen Rockmusik ebenfalls auszumachen ist, akustische Instrumente und reduzierte Sounds bestimmen den neuen Klang. Mittlerweile füllen die Tourneen der „Oh Brother“ Soundtrack Künstler in den USA riesige Hallen. Unter dem Titel „Down from the Mountain“ ist eine DVD Dokumentation entstanden, die einem modernen Popvideo in nichts nachsteht und der es dennoch gelingt einzufangen, was die Faszination dieser Musikform und ihrer Art sie zu aufzuführen ausmacht. Von jeher war die Musik in den Bergen dank ihrer Abgeschiedenheit ein besonders intensives Element im Leben der Menschen. In den traditionellen Stücken finden sich die Themen des Lebens: Liebe, Trauer, Tragik, Klatsch, Freude, Abschied, Ankunft, Verlust, Natur, Glauben. Im Schatten der erfolgreichen Country-Varianten Rock'n'Roll, Rock und Electric Country überlebten die akustischen Klänge nur mit Mühe: Musiker wie Bill Monroe, Flatt & Scruggs und die Stanley Brothers gingen den harten Weg des Unkommerziellen. Erst durch die Erfolge im Folk Revival der 60er Jahre wurde die Bluegrass Music, die schnelle, fast jazzartige und hochvirtuose Form der Appalachenmusik von einer steigenden Zahl von Fans geschätzt. Durch unzählige Bluegrass Festivals und Konzerte in Theatern und Hallen entstand eine Lebensgrundlage für professionelle Bands, die dadurch die Musik zu neuen Höhen weiter entwickeln konnten. Die Instrumentierung, Banjo, Geige, Mandoline, Kontrabass, Dobro (akustische Hawaiigitarre) und Stahlsaitengitarre, die extrem Virtuose Spieltechnik sowie die typischen mehrstimmigen Gesangs-Sätze sind meist geblieben. Verändert haben sich die Texte, zumal immer mehr Musiker, die nicht direkt aus den Bergregionen abstammen, das Genre bereicherten. Die Lyrik ist feiner, differenzierter und entstammt der aktuellen Lebenssituation der Komponisten. Mittlerweile sind auch in Europa in letzter Zeit verstärkt Künstler der Spitzenklasse aufgetreten, ( z.B. Lynn Morris, Laurie Lewis, Del McCoury, oder Valerie Smith) und haben ein begeistertes Publikum und den Wunsch nach mehr vorgefunden. Und endlich werden Bluegrass Bands auch als attraktive Facette in der Weltmusik-Szene wahrgenommen: das größte deutsche Weltmusikfestival buchte 2002 immerhin Bluegrass Top Star Lynn Morris!

pr