Über den Frustabbau mit Hilfe von Kreativdenken und Freischreiben!

Wen die heutige Mainstream-Country-Music mit ihrer konfektionierten Plattheit nervt und wer die deutsche Cowboy/Sauf/Pulverdampf/Dumpfbacken-Szene zum Kotzen findet, der muss sich nicht unbedingt frustriert in sein stilles Kämmerchen einschliessen oder sich gar die Kugel geben, nein, der kann sich tatsächlich über die Transformation zur Satire, zur Glosse oder zur Groteske etwas Erleichterung oder sogar Erlösung verschaffen.

Im Gespräch mit einem Betroffenen aus Colonia Rhenania habe ich mir in jüngster Zeit einige Notizen gemacht, die ich dem geneigten Leser dieser Homepage nicht vorenthalten will (mit ausdrücklicher Genehmigung des Betroffenen). Die Antworten und Meinungen zu bestimmten Themen werden hier ungekürzt wiedergegeben, um aufzuzeigen, dass man auch in schwerer Zeit nicht dem Frust verfallen sollte, sondern sich buchstäblich „freischreiben“ kann.

Zum Thema „Das Ende von Neusüdende“:

Das mit Neusüdende wusste ich noch nicht. War auch schon zehn Jahre nicht mehr da. Nicht wegen der Musik, nicht wegen der Musiker, nicht wegen des Klaus Grotelüschen, nein, wegen des Publikums; die Menge der Deutsch-Primitiv-Country-Anhänger, nein, ich bin nicht mehr so leidensfähig. Dann einige mit der permanenten Karnevalskostümierung – das hier in Colonia Rhenania reicht eigentlich schon. Im Sommer der CSD, irgendwie gleiche Veranstaltungen mit anderen Vorzeichen. Besonders der Kontrast und auch Widerspruch „die hochkarätigen Veranstaltungen des Klaus in Neusüdende“ einerseits und das „Dödel-Publikum“ andererseits, gibt dem Ganzen eigentlich erst recht einen bitteren Beigeschmack. Und...hat man mal das niederländische Publikum bei gleichartigen Veranstaltungen erlebt, dann tut man sich Teutonien eigentlich nicht mehr an.

Zum Thema „Country Veranstaltungen insgesamt in Deutschland“:

Ganz peinlich muss es ja wohl in „Dunkeldeutschland“ (also was da so „Neue Bundesländer“ heisst) sein. Linedancer meinen wohl, man kommt nur wegen ihnen – nun gut, der Störfaktor ist ja vielleicht seit der Verbreitung der Chaostheorie das wahre Bestimmende.

Dann auch noch so etwas wie der „Gag“, ach nein GACMF, ich finde das Pisa-peinlich.

Zum Thema Country Songs im deutschen Dudelfunk:

Durch die Auswahl der Songs wurde (der Deutsch-Country-Dudel-Schlager mit Text- und Musikniveau jenseits aller Peinlichkeit auf der nach unten offenen Dekadenzskala) das Niveau dahin gebracht und es gilt, weiterhin Erfahrungen im „Freien Fall“ zu machen.

Zum Thema „Truck Stop“:

Auch so eine unfreiwillige Komikertruppe mit aus dem B-Movie-Fundus geklauten Karnevalskostümen, die vom Namen her Lastwagen zum Halten bringen will, das Gegenteil zu dem, was der mittlerweile in der Regel osteuropäische Fahrer auf mit deutschen Kennzeichen versehenen „Brummis“ will. „Brummis“, ein saublöder Ausdruck, aber irgendwie passend zum Country-Truck-Kitsch; die brummen noch viel zu wenig, hilfreich wäre ein Höllenlärm, auf dass der Schall beim notorischen Zu-dicht-Auffahren derart laut zurückgeworfen würde, dass die sich alle statt Fahren ständig beim HNO-Arzt aufhalten müssten. Es ist Pisa-symptomatisch, dass diese Witzfiguren aus der Musikbranche bei diesem unserem Country-Publikum in diesem unserem Land die Attraktion darstellen. Das mal erlebt zu haben, und ich habe das mal erlebt, da gilt die Textstelle bei Marty Robbins, die es treffend aussagt „...then I turned and walked slowly away...“. Es ist in Kauf zu nehmen, dass zugehöriges Kopfschütteln mit Parkinson verwechselt wird und somit das Unverständnis am Schwachsinn nicht von der „Zielgruppe“ wahrgenommen werden dürfte.

Zum Thema „Outen“ in der Öffentlichkeit als Country Music Freund:

Das genau mache ich nicht mehr. Weder bei den „Musik-Aliens“ noch bei den Country-Afficinados. Wenn ich bei den ersteren früher oder später was von Musik der Cowboys höre, muss ich mich immer zurückhalten, denen nicht eine Lupe in den Kopf zu bohren, um Resthirn zu suchen (könnte man glatt als „Jugend Forscht“ verkaufen). Ebenfalls pures Deutschland-Pisa: man denke nur mal, so eine immer noch verkaufsträchtige um die Welt gehende Musikrichtung der USA soll nur aus einem exotischen singulären, kaum wahrnehmbaren Beruf entstanden sein? Und sich heute noch darum drehen? Derartige hierzulandige Denkgenies müssten doch eigentlich ständig ob ihrer Mentalleistung sich selbst verklagen. Nur wird die ja wohl vollständig aufgebraucht, um das „Sich schämen müssen“ zu verdrängen. Die heutigen Country Leute sind letztendlich total uninteressant. Wer in Sachen „Contemporary Country Musik“ lebt, und das noch mit Begeisterung, wer was von Outlaws im Musikbereich, von Rebellen, von der Südstaatenflagge faselt und drum herum wuselt, möglichst am Grill (Verzeihung: BBQ) mit Bier in Massen (kein Rechtschreibfehler, Maßen ist nicht gemeint), wer aber keine Beziehung zu der einstigen vintage/classic und früheren Zeit aufbauen konnte, also zur Geschichte der Country Music, der kann doch weder einschätzen noch erkennen, wovon man redet. Und wer sich dann auch noch für die zugehörige Geschichte der USA (in der Regel: Soziologie) – und die der Restwelt übrigens auch im Kontext – nicht interessiert, ja dem fehlt es halt. Meist hat es denen schon woanders gefehlt.

Ich bin der festen Meinung, die Musik früher und die von heute dürften nun mal nicht dieselbe Bezeichnung haben. Man sollte sie wieder Hillbilly nennen und der Jugend Country überlassen. Nun gehört nun mal das Recht der Jugend. Wenn die also diese Musik heute noch Country nennt, dann ist das eben aha-mässig zu akzeptieren. Nur will ich damit nichts zu tun haben. Deshalb also: sage nie Country Leuten von heute etwas über Country, mit Pflanzen zu sprechen dürfte einiges mehr an Niveau und Essenz hergeben.

Bleiben noch die Weltmusik-Offenen: Bluegrass ist doch Cowboymusik! Womit gilt, was ich schon früher in einer Satire formuliert habe: „Die meisten Menschen haben ihr Gehirn nur, damit der Luftdruck nicht die Kopfknochen zusammendrückt. (Hank Williams hat es mal so formuliert: „Manche Menschen haben nur deshalb einen Kopf, damit die Ohren auseinander gehalten werden.“ W.F.). Oder wie hat es Max Liebermann einmal ausgedrückt: „Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte.“ Curt Götz hatte es in einem Theaterstück einmal darauf abgesehen, die Mikrobe der menschlichen Dummheit zu entdecken. Was natürlich unmöglich ist, denn das Gehirn kann in der Theorie zwar viel, nur eines garantiert nicht: sich selbst zu erkennen. Darum hält sich ja der Grenzdebile für die Krone der Schöpfung; stellt der Mensch letztendlich doch nur die Krone der Erschöpfung am Ende des Schaffensprozesses dar.

Zum Thema „Forum und Chat“ im Internet:

Ich selbst schaue ins Internet nicht mehr rein. Deutsche Country-Seiten wären – höflich gesagt – das Letzte, weswegen ich da auf der abgehörten Leitung elektronisch rumtrampeln wollte.. Und sogenannte Nußlätta (das ist entweder

Margarine mit Zusatz oder automatische Benachrichtigung in Form von Rundbriefen) von deutschen Seiten- oder Siten-Betreibern, oder Chat-Foren, das halte ich für einen Verstoss guter Sitten; mehr ein Fall für Amnesty International.

Da fällt mir gerade ein, kann es sein, dass der deutsche dumpfebackige Country-Fan, in der Regel Legoastheniker, nur deswegen da mitliest und mit-stotternd-schreibt, weil er Chat für C-Hat, also Cowboy Hut, hält?

Zum Thema „Bildungsbürgertum“ als neue Zielgruppe für Country Music:

Ich habe da beste Erfahrung gemacht. Dieses Publikum ist mit Sicherheit nicht zu unterschätzen. Es ist dankbar, offen, verständig, interessiert und aufgeschlossen. Es ist ein wohltuendes Publikum, auch noch mit genug Geld, um CDs zu kaufen.

Das Gespräch mit dem Herrn aus Colonia Rhenania führte Walter Fuchs.

"Der Mann aus Colonia Rhenania ist Helmuth Schumacher in Köln" h.schu@gmx.net

Das Foto zeigt
Helmuth Schumacher (1. von links) in dem TV-Film "Neger, Neger, Schornsteinfeger!"