Blue Highway „Lonesome Pine“ Rebel 7512

In The Gravel Yard/Lonesome Pine/He Walked All The Way Home/Blue Ridge Mountain Girl/Some Day/Cold Frosty Morn/Before The Cold Wind Blows/The Rounder/Between The Rows/Flannery’s Dream/Last Dollar Blues/Two Coats/It’s A Long, Long Road

Stilistisch gesehen ist eine Bluegrass Band ein Kollektiv aus einzelnen Solisten, die jazzmässig zu improvisieren im Stande sind. Dass dabei schon bei der Entwicklung dieses Stils ein Frontmann, nämlich Bill Monroe, der Vater der Bluegrass Music, eine grosse Rolle spielte, ist hinreichend bekannt. Weitere Frontleute der frühen Jahre hiessen Lester Flatt, Earl Scruggs, Don Reno, Red Smiley, Carter Stanley, Ralph Stanley oder Jimmy Martin. Doch es gab und gibt auch immer wieder, getreu der kollektiven Zielsetzung, Bluegrass Bands, die ohne Frontmann auskamen bezw. auskommen, z.B. die Lonesome Pine Fiddlers, die Country Gentlemen ( bevor sich Charlie Waller sozusagen als „primus inter pares“ etablierte), die Nashville Bluegrass Band, die Cluster Pluckers, Special Consensus oder Lost Highway. Die Liste der grossartigen Gruppen ohne spezielle Frontleute, liesse sich beliebig fortsetzen.

Zu den jüngeren „Kollektiv-Bands“ gehört die Gruppe „Blue Highway“, die man auch getrost eine „All Star Band“ nennen könnte, denn ihre Mitglieder waren oder sind nicht nur begehrte Session-Musiker, sondern sie waren auch immer wieder in den Bands berühmter Stars, vor allem aus dem Bluegrass-Sektor, tätig. Der Gitarrist Tim Stafford, der die Band Ende 1994 zusammenbrachte, hatte 1991 bereits mit Alison Krauss’ Union Station musiziert. Der Dobro Spieler Rob Ickes war nicht nur durch seine Mitarbeit an dem Album „The Great Dobro Sessions“ aufgefallen, sondern auch durch seine Aktivität bei Alison Krauss und der Cox Family. Mandolinenspieler und Fiddler Shawn Lane hatte bei Doyle Lawson & Quicksilver und Ricky Skaggs’ Kentucky Thunder mitgewirkt. Der Bassist Wayne Taylor war ebenfalls kein Unbekannter in der Szene und der Banjospieler Tony Brown war unmittelbar vor der Produktion des ersten Albums durch den routinierten Jason Burleson ersetzt worden. Alles in allem, eine fantastische Band, die mit ihren 3 Albumproduktionen in den 90er Jahren ( 1995, 1996 und 1998) wahre Kostbarkeiten hinterlassen hat, aus denen jetzt auf einem vierten Album bei Rebel Records eine Art „Best Of Blue Highway“ zusammengestellt wurde. Da gibt es Songs, die in ihrem straffen Sound an die Country Gentlemen erinnern, da erklingt mit „Some Day“ ein a cappella Gospel Song und auch die Old Time Music kommt in „Cold Frosty Morn“ zu ihrem Recht.

Zwischen den ersten 3 Rebel-Alben und dieser neuen retrospektiven Zusammenstellung liegen 4 weitere Produktionen: 1999 ein Album für Skaggs Family Records und 3 Alben für Rounder (2001, 2003 und 2005).

Und vielleicht könnte dieses neue Auswahl-Album aus der Rebel-Zeit zu einem neuen Impuls für diese vorzüglichen Gruppe führen. Nach 10 Jahren „Blue Highway Geschichte“ sind die Möglichkeiten und Chancen nach wie vor gross. Warten wir’s ab und geniessen inzwischen die wunderbare Musik dieser Gruppe aus den 90er Jahren.

Walter Fuchs.