Autor: Roger Boss

Bluegrass Festival in Bühl/Baden am 03.04.2004

Das 3. Internationale Bluegrass Festival in Bühl bei Baden-Baden 2005 solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen! Was dieses Jahr beim 2. Bluegrass Festival stattfand war einsame Spitzenklasse für die Fans dieser rein akustischen Stilrichtung der Country Music. Über 600 Besucher fanden sich zu dem musikalischen Highlight im Bürgerhaus Neuer Markt zusammen und erfüllten das, was sich die beiden Organisatoren Walter Fuchs, ehemals RPR2, und Rüdiger Schmitt vom Kleinkunstverein Schütte-Keller nur im Traum erhofft haben.

Es entsteht in dem südbadischen ein deutsches Owensboro, dass auch an dem Abend von dem anwesenden Oberbürgermeister Hans Striebel gewürdigt wurde, indem er seine Unterstützung für ein drittes Konzert 2005 zugesagt hat.

Aus der ganzen Republik kamen die Fans angereist, von Flensburg bis Oberstdorf, von Dresden bis zum Ruhrgebiet waren sie vertreten. Man traf alte Freunde nach vielen Jahren wieder und hatte sich viel zu erzählen, aber leider war die Zeit zu kurz, denn Dank eines in zwei Hälften geplanten Programmablaufes wurden 11 Stunden feinste Musik geboten, die nur von einer Versorgungspause unterbrochen wurde.

Am Anfang kam eine Band aus Deutschland, One4Five, die sich dem traditionellen Bluegrass der 50er und 60er Jahre verschrieben hat. Das Repertoire besteht aus Songs von Bill Monroe, Jim Eanes, Earl Scruggs und Jim und Jesse McReynolds. Eine Band, die leider an diesem Tag gegen die noch nachkommenden Musiker etwas verloren wirkte, aber jederzeit für einen Liebhaber des Genres zu empfehlen sind. Turquoise nennt sich die Band um das ehemalige Marburger Duo Detour, Nathalie Shelar und Jeanmarie Peschiutta, die als zweites die Bühne betraten. Nachdem Nathalie und Jeanmarie nach Frankreich gezogen sind, fanden sich mit Christian Segret, Jean-Marc Delon und als Gast Joost van Es mit Turquoise eine Band zusammen, die einen abwechslungsreichen Mix aus Bluegrass, Western Swing und Country Music im Stile von Merle Haggard, Vince Gill und Clint Black bietet.

Obwohl aus den Niederlanden kommend sind die Hillbilly Boogieman, jetzt als Bluegrass Boogieman den Insidern unserer Republik von ihren Auftritten u.a. in Kötz und Neusüdende wohlbekannt. Ihr Repertoire bezieht sich auch mehr auf die so genannte Hillbilly Zeit. Mit Titeln von Hank Williams, Charley Louvin und Ralph Stanley, Roger Miller und Little Jimmy Dickens oder Willie Nelson kam ein gewisser Schwung auf die Bühne, die einem Hardcore- Bluegrasser alla Bill Monroe die Tränen in die Augen getrieben hätte und er wahrscheinlich mit der Bibel dazwischen gegangen wäre. Die Begeisterung mit der die 5 holländischen Jungs ihre Musik darbrachten ging auch auf das Publikum über, was für Kathy Kallick mit Ihrer Band und deren doch sehr traditionellen Bluegrass etwas in die Verlegenheit brachte. Es ist schwer nach den Bluegrass Boogieman mit ruhiger Musik aufzuwarten, wenn auch am Anfang die Micros nicht da waren und es dann etwas Aufbauverzögerungen gab, die einen humorvollen zweiten Einzug auf die Bühne mit sich brachten.

Die Kathy Kallick Band ist eine Band die aus Kalifornien stammt und seit vier Jahren zusammen spielt. Kathy begann 1975 mit den Good Ol’ Persons als erste Bluegrass orientierte Band auch andere musikalischen Formen in die doch Männerdominierende Stilrichtung einfließen zu lassen, was man an ihrem Musikstil heute noch merkt.

Das ihre doch sehr anspruchsvolle Musik hier etwas fehl am Platz war oder nach drei Stunden das Publikum nicht mehr ganz so Aufnahme fähig lockerte sie dann doch etwas abschweifend mit „Just one time“ von Don Gibson auf.

Nach der Pause begann um 19:00 Uhr der zweite Teil mit Turqoise, die wiederum mit ihrem lockeren Country Mix die Stimmung anheizten, kam danach die Entdeckung des Jahres 2003, The Musselwhite Family, die im letzten Jahr in der Meinung es würde eine Jam Session stattfinden nach Bühl gereist war und dadurch „entdeckt“ wurde, so dass man sie in das diesjährige Programm einbaute. Die aus Georgia stammende Familie, die momentan Army bedingt in Bad Kissingen lebt und deren Oberhaupt Mark gerade als Hubschrauberpilot im Irak stationiert ist besteht aus Mam Cindy, Gitarre, nach eigenen Angaben 25 Jahre alt, was ein schallendes Gelächter im ganzen Saal auslöste, den Töchtern Morgan, 13 Jahre, an der Fiddle, unterrichtet von Mark O’Connor, und Molly, 11 Jahre an der Mandoline, des weiteren von den „Männern“ Luke, 9 Jahre Mandoline und John, 7 Jahre am KONTRABASS, wenn auch am kleinen oder halben, aber dennoch fast eineinhalb mal so groß wie der Virtuose selbst. Ob „Duelling Banjos“, „Down to the river to pray“ oder „Foggy Mountain Breakdown“, was diese Familie in diesem „Alter“ schon darbietet, lässt auf vier große Karrieren hoffen. Ich von meiner Seite und ich glaube auch das ganze Bühler Publikum waren von dieser Band begeistert und wer diese Formation hören möchte kann dies am 19. März 2005 im Schütte-Keller, Bühl (www.schuettekeller.de), über ein ganzes Konzert lang tun. Der nun folgende Auftritt der Gruppe One4Five war schon etwas „farbiger“ und begeisterte mit einem sehr interessanten Stück von Bass und Banjo, wobei Kerstin Seidel am Bass und Jürgen Biller am Banjo sich so richtig verausgaben konnten. Des Weiteren standen auf der Bühne: Gitarre und Gesang Claus Gtatter; als Gast Fiddle,Mandoline und Gesang Lody van Vlodrop, Mitglied der Bluegrass Boogieman und Sally Greenfield, die mit Gitarre und ihrer Stimme an diesem Abend Marlies Wegner ersetzte. Der nachfolgende Auftritt der Bluegrass Boogieman ist dann wiederum ein Höhepunkt, der mit nicht enden wollendem Applaus und DREI Zugaben abläuft. Den Abschluss des Festivals macht dann wieder die Kathy Kallick Band, die scheinbar ihr Programm etwas umstellte und nun mit einer gewissen Dynamik an das Programm der Holländer anschloss. Wie schon am Anfang erwähnt wird Bühl wohl einen festen Platz in den Terminkalendern der deutsch Hardcore Bluegrass Szene einnehmen auch und da möchte ich auch einem Freund persönlich danksagen, DANK unserem WALTER FUCHS, der mit seinem Wissen und seiner gekonnten Moderation an diesem Abend viel zum Gelingen beitrug.
rb

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