Riesenerfolg für das 2. Internationale Bluegrass Festival in Bühl/Baden

(Friedrich Hog)

Nach dem sensationellen Erfolg des ersten Bühler Bluegrass Festivals, das sämtliche Erwartungen übertroffen hatte, war rasch klar, dass das Ereignis eine Fortsetzung finden würde. Diese fand am Samstag, den 03. April 2004 im Bürgerhaus Neuer Markt statt, und übertraf mit weit mehr als 600 Besuchern erneut alle Erwartungen, der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, ebenso die Empore. Bei konzertanter Atmosphäre konnten die Besucher die Musik von jedem Platz aus genießen und wurden von 14 bis weit nach 24 Uhr von fünf Bands bestens bedient.

Walter Fuchs eröffnete pünktlich um 14 Uhr die Veranstaltung mit „One 4 Five“ aus Deutschland, die in der klassischen „Hard Times“ – Besetzung antraten, also neben Jürgen Biller (Banjo), Lody Van Vlodrop (Fiddle, Mandoline) und Kerstin Seidel (Kontrabass) mit Norbert Dengler (Gesang, Gitarre). So hatten sie schon vor rund 15 Jahren Jim Eanes bei seinen Auftritten in Süddeutschland begleitet. Ihr Repertoire war eine Mischung aus Country der 60-er Jahre im Bluegrass-Gewand und echtem Bluegrass. „Dim Lights, Thick Smoke And Loud
Loud Music“ und „Six Days On The Road“ mischten sich da mit dem „Pike County Breakdown“ von Earl Scruggs oder Musik von Jim & Jesse. Sally Greenfield kam für einige Lieder auf die Bühne, ihre wunderschöne Stimme konnte wieder bestens überzeugen, „I’ll Go Steppin‘, Too“, „Roseville Fair“, „Roses In The Snow“.

Die Band „Turquoise“ aus Frankreich mit internationaler Besetzung, Sängerin und Bassistin Natalie Shelar kommt aus Tucson, Arizona, spricht auch perfekt deutsch, Sänger und Gitarrist Jeanmarie

Peschiutta aus Italien, mischte traditionellen Bluegrass mit modernen Stilelementen wie dem elektrischen Bass und einem entsprechenden Repertoire. Der samtweiche Gesang von Jeanmarie Peschiutta bestach, nicht nur in Verbindung mit dem einen oder andren Swing-Titel. „High Lonesome Sound“ von Vince Gill fügte sich da mühelos ein, Joost Van Es als Gast an der Geige zeigte seine Virtuosität wie im Vorjahr bei „Four Wheel Drive“, seiner Stammband. Bei „Uncle Pen“ dürfte er zudem singen. „Something That We Do“ heißt ihre CD, der Clint-Black-Titel war
Schließlich brachte die Kathy Kallick Band kalifornische Sonne auf die Bühne. Don Gibson’s „Just One Time“, gesungen von Kathy Kallick und Bassistin Amy Stenberg im Polka-Stil war ein besonderes Highlight. Bluegrass-Stimme und Country-Stimme im Duett. Die Band bestach durch ihre perfekte Bühnenpräsenz, die sich in vielen Jahren eingespielt und entwickelt hat. Jeder Musiker ein perfekter Solist, Tom Bekeny an Mandoline und Avram Siegel am Banjo. Gut, dass Bern Neuberger und Gerd Wienrank von den Dixie Wheels sich um die Technik gekümmert haben, ohne die beiden Musiker, die zufällig im Publikum waren, hätte der Sound wegen Ausfalls des hauseigenen Technikers doch sehr gelitten, wie man eingangs deutlich hören konnte. Der Sound sollte bei einer Veranstaltung, die höchsten Qualitätsmaßstäben genügen möchte, von Anfang an kompetent vergeben werden.
natürlich auch zu hören, ebenso wie der Grappelli-Reinhardt-Klassiker „Sweet Georgia Brown“, der sogar den Nicht-Swing-Fans gut gefiel. „Midnight Flyer“ und „Kentucky Waltz“ kam direkt aus dem Herzen des Bluegrass.

Bei den holländischen Bluegrass Boogiemen kam Lody Van Vlodrop wieder zum Einsatz, hier an der Fiddle. Die Band bringt druckvolle Musik und viel Bewegung auf die Bühne, konnte ständig Szenenapplaus ernten. Sehr originell ist schon ihr Aussehen, die Hosen sind aus den 20-er Jahren, noch mehr konnte jedoch ihre Musikauswahl und die adäquate Interpretation überzeugen. Der Old-Time-Einschlag kam besonders gut an, ebenso wie die Stücke aus dem Hillbilly, kennt man die Band ja ansonsten auch als „Hillbilly Boogiemen“.

Nach der Pause ging es um 19 Uhr in etwas abgeänderter Reihenfolge in das Abendkonzert, das aufgrund des restlos gefüllten Saals von durchweg bester Stimmung gekennzeichnet war, der Applaus von weit über 600 Leuten klingt schon nach etwas. Als weiterer Act hatte die Musselwhite Family, Mutter und vier Kinder im Alter von 13, 11, 9 und 7 Jahren, ihren Auftritt. Mit klassischen Stücken der alten Country Music und den Soli der Töchter an Fiddle und Banjo hatte diese Formation das Publikum von Anfang an auf ihrer Seite. „Down To The River To Pray“ und „Foggy Mountain Breakdown“ gehörten zu den Highlights der Show jener Band, die 2003 als Gäste am Festival teilnahmen, irgendwo ihre Instrumente zum Einsatz brachten, von Walter Fuchs zufällig gehört und spontan für einige Stücke auf die Bühne gestellt wurde.

Nach einem grandiosen Finale aller Musiker ging das Festival weit nach Mitternacht zu Ende, nicht ohne das Versprechen von Walter Fuchs, dass es 2005 eine

Fortsetzung im noch größeren Stil geben wird. Mit Sicherheit freuen sich alle Besucher jetzt schon auf das 3. Internationale Bühler Bluegrass Festival. Güglingen hat einen würdigen und dauerhaften Nachfolger gefunden.

(Friedrich Hog)

Eingangsseite